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Luxor Westbank

 


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Luxor Eastbank - Karnak-Tempel
Bezirk für Amun: Amun-Tempel

von Claudia Ali, 12.06.12

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Zum Karnak-Tempel allgemein...
Zu weiteren Tempeln im Amun-Bezirk...
Zum Open-Air-Museum im Karnak-Tempel...
Zum Mut-Tempel-Bezirk...


Wenn vom Karnak-Tempel die Rede ist, so ist damit in der Regel der öffentlich zugängliche Bezirk des Amun gemeint. Seine 12 Meter hohe und 8 Meter dicke Mauer umfasst eine Fläche von ca. 30 Hektar (610, 530, 515 und 530 Meter Seitenlänge) und hat vier monumentale Tore. Die Lehmziegel der Mauer wurden in einer sanften Wellenbewegung angeordnet, um das große Urmeer zu symbolisieren. Der Amun-Bezirk symbolisierte somit die Insel, auf der einst die Schöpfung allen Lebens stattfand.

Ursprünglich lag der Tempel übrigens nicht direkt am Nil, sondern auf einer 500 Meter entfernten Sandbank - das besagt ein Forschungsbericht im Journal of Archaelogical Science von Juni 2011. Erst rund 400 Jahre später hat sich der Nil ausgebreitet, so dass er bis an die Tempelanlage heranreichte (siehe News vom 22.07.11).



Grundriss des Amun-Bezirks:

Die einzelnen Bereiche sind anklickbar und führen direkt zum entsprechenden Kapitel. Die Zahlen 1-10 bezeichnen die 10 Pylonen.

Karnak-Tempel: Grundriss des Amun-Bezirks

Die Zählung der Pylonen erfolgt übrigens nicht chronologisch nach ihrem Entstehen, sondern von Westen nach Osten und dann von Norden nach Süden! Daher ein kleiner Ausflug in die ...

Entstehungsgeschichte des Amun-Tempels in Karnak:

Mittleres Reich (2137 - 1781 v. Chr.):

  • 11. Dynastie - Anjotef II.: eine erhaltene Säule aus seiner Zeit lässt vermuten, dass er den ersten Tempelbau veranlasste
  • 12. Dynastie - Senwosret I. (Sesostris I.): erster größerer Amun-Tempel (37,4 x 39,6 Meter, Kalkstein) mit Stationskapellen (darunter die Weiße Kapelle) dort, wo sich heute der Hof des Mittleren Reiches befindet

Keine Bautätigkeit in der Zweiten Zwischenzeit

Neues Reich (1550 - 1070 v. Chr.):

Ramses III.: Barkenheiligtum vor dem 2. Pylon, Chonsu-Tempel

Ramses IX.: Prozessionsstraße mit Tor zwischen dem 3. und 4. Pylon

3. Zwischenzeit:

  • 21. Dynastie - Pinudjem I. (Amunpriester): Aufstellung von (älteren) Sphingen vom 2. Pylon zum Kai, Vollendung des Chonsu-Tempels
  • 22. Dynastie - Scheschonq I. (libyscher Herrscher): Kolonnaden und Bubastistor vor dem 2. Pylon
  • 25. Dynastie - Schabaka (kuschitischer Herrscher): Vorbau vor dem 4. Pylon, Dekoration sowie 2. und 4. Pylon im Ptah-Tempel
  • 25. Dynastie - Taharqa (kuschitischer Herrscher): Heiliger See, Pavillon vor dem 2. Pylon und am Nordufer des Heiligen Sees, Säulenhof vor dem Chonsu-Tempel, Säulenhof vor dem Tempel Ramses II.

Spätzeit:

Griechisch-römische Zeit:

Modell des Amun-Bezirks im Karnak-Tempel
Modell des Amun-Bezirks im Karnak-Tempel




Sphingenallee:

Von einer alten Kai-Anlage vor dem Amun-Tempel führen 40 Widder-Sphingen mit Löwenkörpern und kleinen Ramses-II.-Statuen zwischen den Pranken zum 1. Pylon.

Sphingenallee vor dem Amun-Tempel in Karnak Sphingenallee vor dem Amun-Tempel in Karnak
Rechte Seite der Sphingenallee von hinten und die linke von vorn

Amun-Tempel in Karnak: Einzelne Widdersphinx der Sphingenallee mit kleiner Statue von Ramses II. Amun-Tempel in Karnak: Einzelne Widdersphinx der Sphingenallee mit kleiner Statue von Ramses II.
Einzelne Widdersphingen der Sphingenallee mit kleinen Statuen von Ramses II.

84 weitere Sphingen, die vor dem Bau des 1. Pylon den Weg zum 2. Pylon säumten, sind nun im Großen Hof aufgereiht. Sie stammen ursprünglich aus dem Luxor-Tempel, doch Ramses II. ließ sie nach Karnak versetzen.

Amun-Tempel, Großer Hof: Widdersphingen, rechts im Hintergrund die Reste der Baurampe
Großer Hof: Widdersphingen, rechts im Hintergrund die Reste der Baurampe



Der Tempel für Amun-Re:

Das Hauptheiligtum des Karnak-Tempels war der thebanischen Hauptgottheit Amun-Re geweiht. Es dürfte mit einer Fläche von über 25 Hektar das größte sakrale Bauwerk aller Zeiten sein. Jean-François Champollion beschrieb es als so grandios, als hätten es die Ägypter für 30 Meter große Menschen gebaut.

Amun-Tempel: Sonnenaufgang zur Wintersonnenwende 2006, (c) Juan BelmonteDie Hauptachse des Tempels erstreckt sich vom Nil (Westen) nach Osten. Sie ist so ausgerichtet, dass zum Zeitpunkt der Wintersonnenwende die Sonne direkt auf der Tempelachse aufgeht. Mehr noch: Wie Wissenschaftler 2009 in einer Studie belegten (veröffentlicht im NewScientist, iss. 2724), steht die gedachte Linie zwischen dem Sonnenaufgang der Wintersonnenwende und dem Sonnenuntergang der Sommersonnenwende im rechten Winkel zum Nil - ein Phänomen, das vor 4000 Jahren noch exakter war und dem verehrten Sonnengott Amun in besonderer Weise huldigte.

Amun-Tempel: Sonnenaufgang zur Wintersonnenwende mit Blick auf das Ach-menu, (c) unbekannt
Sonnenaufgang zur Wintersonnenwende mit Blick auf das Ach-menu

Der Amun-Tempel ist außerdem so konstruiert, dass der Boden in Richtung des Allerheiligsten ansteigt und das Dach abfällt:

Amun-Tempel: Längsschnitt aus Napoleons Description de l'Égypte, 1798-1801
Längsschnitt aus Napoleons Description de l'Égypte, 1798-1801 (1809-1828)

Es ist unmöglich, die Struktur des Tempels bei nur einem Besuch zu erfassen oder auch nur alle Bereiche zu sehen. Planen Sie also von vorneherein mehrere Besuche ein und widmen Sie sich jeweils einem Teil des Tempelareals.

Amun-Tempel, westlicher Teil: - Blick von Süden
Der westliche Teil des Amun-Tempels - Blick von Süden

 



Grundriss des westlichen Teils des Amun-Tempels:

Amun-Tempel: Grundriss des westlichen Teils 1
2
3

A
B
C
D
E
F
G
1. Pylon
2. Pylon
3. Pylon

Großer Hof
Schrein Sethos II.
Taharqa-Pavillon
Tempel Ramses III.
Statue Ramses II.
Großer Säulensaal
Festhof und Obelisk

 



1. Pylon (Nr. 1):

Der 1. Pylon ist der größte - er ist 113 m lang, 41 m hoch und 15 m tief - und jüngste. Er stammt von Nektanebos I., dem Begründer der 30. Dynastie, und bildet den heutigen Haupteingang zum Amun-Tempel. Früher führte ein 19 m hohes, mit Gold- und Bronzeplatten beschlagenes Tor in den Großen Hof, es verbrannte jedoch bei einem Feuer in der griechisch-römischen Zeit. Der 1. Pylon blieb unvollendet. Auf der hinteren rechten Seite sind noch die Reste der Lehmziegelrampe zu sehen, mit der das Baumaterial nach oben befördert wurde.

Amun-Tempel: 1. Pylon mit Widdersphingenallee
1. Pylon mit Widdersphingenallee



» Großer Hof (A):

Hiner dem 1. Pylon liegt der Große Hof. Er misst 100 Meter in der Breite sowie 82 Meter in der Länge. Die seitlichen Kolonnaden einschließlich des Bubastis-Tors rechts vor dem 2. Pylon stammen von Scheschonq I. (946-924 v. Chr.). Nektanebos I. (379–360 v. Chr.) integrierte beim Bau der Umfassungsmauer und des 1. Pylons alle Gebäude in den Hof, die bis dahin vor dem Haupttempel standen.

Amun-Tempel, Barkenschrein von Sethos II.: GrundrissDa wäre zunächst der Barkenschrein von Sethos II. (B) gleich links hinter dem Torweg. Er diente als Rastplatz für die Heilige Barke und besteht aus drei nebeneinander liegenden kleinen Räumen für die Götter Amun (b), Mut (a) und Chonsu (c).

Amun-Tempel: Barkenschrein Sethos II.
Barkenschrein Sethos II.

In der Mitte des Hofes sind die Reste eines Pavillons von Taharqa (C) aus der 25. Dynastie zu sehen, der ebenfalls als Ruheplatz für die Heilige Barke diente. Eine der ursprünglich zehn 19 Meter hohen Säulen steht noch.

Dahinter - vor dem 2. Pylon - befindet sich eine Kolossalstatue Ramses II. (E) aus rotem Granit. Sie wurde von etlichen späteren Herrschern usurpiert und trägt die Namenskartusche von Pinudjem I. Zwischen den Füßen von Ramses II. steht Bentanat I., seine erste Tochter und spätere Große Königliche Gemahlin.

Amun-Tempel: Großer Hof mit Kolonnade, Säulenfragmenten des Taharqa-Pavillons und Kolossalstatue Ramses II.
Großer Hof mit Kolonnade, Säulenfragmenten des Taharqa-Pavillons und
Kolossalstatue Ramses II.

Amun-Tempel, Großer Hof: Detail der Statue Ramses II. Amun-Tempel, Großer Hof: Detail der Statue Ramses II.
Großer Hof: Details der Statue Ramses II.



» Tempel von Ramses III. (D):

Amun-Tempel, Tempel von Ramses III.: GrundrissAuf der rechten Seite des Großen Hofes befindet sich der Tempel Ramses III., ein weiteres Barken-heiligtum. Der Tempel war bis 1896 unter Schutt begraben. Ramses III. ließ ihn nach dem Vorbild seines sehr viel größeren Tempels in Medinet Habu mit dem typischen Grundriss eines Tempels des Neuen Reiches errichten: Vor dem Pylon (a) stehen 2 gedrungene Statuen Ramses III. Dahinter befindet sich der offene Festhof (b) mit jeweils 8 Osirispfeilern an den Seiten. Eine Rampe führt zum höher gelegenen Vestibül (c) mit 4 Osirispfeilern und 4 Säulen. Es folgt die Säulenhalle (d) mit 8 Säulen, die in drei Sanktuare (e) für die Götter Amun-Re (Mitte), Mut (links) und Chonsu (rechts) übergeht.

Amun-Tempel, Tempel Ramses III. - Festhof: Blick zurück auf den Pylon und die Taharqa-Säule
Tempel Ramses III. - Festhof: Blick zurück auf den Pylon und die Taharqa-Säule



2. Pylon (Nr. 2):

Den Torweg zum 2. Pylon flankierten 2 Ramses-II.-Statuen, eine ist noch erhalten. Der 30 m hohe 2. Pylon wurde von Haremhab begonnen und von Ramses I., Ramses II. und den ptolemäischen Herrschern weiter ausgebaut. Dafür wurden die Talatat aus Echnatons Tempel Gem-pa-Aton, den dieser östlich des Amun-Tempels zu Ehren von Aton, des einzigen von ihm verehrten Gottes, errichtet hatte, als Füllmaterial benutzt.

Amun-Tempel: 2. Pylon - Detail der Südhälfte
2. Pylon - Detail der Südhälfte



» Der Große Säulensaal (F):

Amun-Tempel, Der Große Säulensaal: GrundrissDer Säulensaal zwischen dem 2. und 3. Pylon ist der größte der Welt und einer der eindrucksvollsten Bereiche des Amun-Tempels. Er wurde von Sethos I. begonnen und von Ramses II. vollendet - die Kartuschen in der Nordhälfte des Säulensaals nennen Sethos I. als Herrscher von Ober- und Unterägypten, die in der Südhälfte Ramses II.

Amun-Tempel, Großer Säulensaal: Thronname Ramses II. User-maat-Re-setep-en-Re an einem Architrav
Großer Säulensaal: Thronname Ramses II. User-maat-Re-setep-en-Re an einem Architrav

Auf einer Fläche von 103 Metern Länge und 53 Metern Breite stehen dicht an dicht 134 Papyrussäulen aus Sandstein und ahmen so ein undurchdringliches Papyrusdickicht nach - in der Tat stand die Halle früher während der jährlichen Nilüberschwemmung unter Wasser.

Amun-Tempel: Großer Säulensaal Amun-Tempel: Großer Säulensaal
Großer Säulensaal: Säulen, Säulen...

Amun-Tempel, Großer Säulensaal: Zeichnung von David Roberts im November 1838 Amun-Tempel, Großer Säulensaal: Zeichnung von David Roberts im November 1838
Großer Säulensaal: Zeichnungen von David Roberts von November 1838

Die 12 Säulen am Mittelgang sind 23 m hoch, haben geöffnete Papyrus-Kapitelle und einen Umfang von 10 Metern. Alle anderen tragen geschlossene Papyruskapitelle und sind 15 m hoch. Die 8 Meter Höhendifferenz wurden mit Wänden ausgeglichen, in die Fenster mit mächtigen Sandsteingittern eingelassen waren. So konnte das Sonnenlicht den Miittelgang erleuchten, während die Seitengänge im Dunkeln blieben.

Amun-Tempel, Großer Säulensaal: Zeichnung von 1902 nach einem Modell im Metropolitan Museum of Art
Großer Säulensaal: Zeichnung von 1902 nach einem Modell im Metropolitan
Museum of Art

Amun-Tempel, Großer Säulensaal: Säulen und Sandsteingitter
Großer Säulensaal: Säulen und Sandsteingitter

Amun-Tempel, Großer Säulensaal: Säulen und Sandsteingitter Amun-Tempel, Großer Säulensaal: Mittelsäulen
Großer Säulensaal: Säulen und Sandsteingitter • Mittelsäulen

Wegen des hohen Grundwasserspiegels und des hohen Gewichts des Holzdaches stürzten 1899 in einer Kettenreaktion 11 Säulen der nördlichen Halle um. Georges Legrain, der damals für die Restaurierungsarbeiten im Tempel zuständig war, ließ die Fundamente verstärken und die Säulen wieder aufrichten.

Legrain war es auch, der 1913 eine schwer beschädigte 5,55 m hohe Alabaster-Statuengruppe von Amun und Ramses II. hinter dem 2. Pylon wieder aufstellen ließ, die wohl eigentlich von Haremhab stammt. Von der Amun-Statue ist glücklicherweise auch der Kopf erhalten:

Amun-Tempel, Großer Säulensaal: Statue von Amun, linker Teil einer Statuengruppe
Großer Säulensaal: Statue von Amun, linker Teil einer Statuengruppe

Etliche weitere Statuen standen in den Gängen der Großen Säulenhalle. Von Amenmesse, 5. Pharao der 19. Dynastie, gab es 6 Quarzit-Statuen entlang der Mittelachse. Teile der Körper stehen noch, während ihre Köpfe fehlen. Einer von ihnen befindet sich im Metropolitan Museum of Art.

Amun-Tempel: Großer Säulensaal: Torso einer Statue von Amenmesse Kopf von Amenmesse, 5. Pharao der 19. Dynastie, mit der blauen Krone, Quarzit, Höhe: 44,5 cm, Große Säulenhalle des Amun-Tempels in Karnak, (c) Metropolitan Museum of Art
Großer Säulensaal: Torso einer Statue von Amenmesse (usurpiert von Sethos II.) • Kopf dieser Statue im MET

Der Zugang zur Großen Säulenhalle war nur wenigen Personen gestattet, die Reliefs im Inneren zeigen religiöse Darstellungen und Rituale. Anders die Reliefs auf den Außenwänden, die für einen größeren Personenkreis zugänglich waren: Hier demonstrierten die Pharaonen ihre Macht und Tapferkeit mit der Darstellung von Schlachtszenen. Entsprechend ihrer Entstehungszeit unterscheidet sich die Qualität der Reliefs an den Wänden und Säulen. Die von Sethos I. sind mit feinen Details im Hochrelief gearbeitet, die Tiefreliefs von Ramses II. wirken dagegen klobig und lieblos.



3. Pylon (Nr. 3):

Der 3. Pylon war ursprünglich 98 Meter lang, 14 Meter tief und 35 Meter hoch. Heute misst er weniger als 9 Meter in der Höhe und ist sehr schlecht erhalten. Für die Füllung der Türme verwendete Amenhotep III. unter anderem Blöcke von Gebäuden seiner Vorgänger Senwosret I. (Weiße Kapelle), Amenhotep I. (früher Tempelbau im Mittleren Hof und Alabasterkapelle), Hatschepsut (Rote Kapelle), Thutmosis III., Thutmosis IV. (weitere Alabasterkapelle und Säulenhof) und Amenhotep II. - die Blöcke wurden 1920 von Archäologen wieder entfernt und anschließend im Open-Air-Museum im Nordwesten des Tempelbereichs rekonstruiert.

Amun-Tempel, 3. Pylon: linker vorderer Turm
3. Pylon - linker vorderer Turm

Der 3. Pylon bildet gleichzeitig die Rückwand des Großen Säulensaals und - heute - die hintere Begrenzung des westlichen Amun-Tempels. Zu Zeiten Amenhotep III. lag hier der goldverzierte Haupteingang zum Amun-Tempel.



» Festhof Thutmosis II. (G):

Hinter dem 3. Pylon liegt ein kleiner, nicht ummauerter Hof von Thutmosis II., den Thutmosis IV. später mit seitlichen Kolonnaden verschönerte. Doch mit dem Bau des 3. Pylon musste der westliche Teil des Festhofs weichen. Der Säulenhof Thutmosis IV. wurde im Open-Air-Museum wieder aufgebaut. Von den Obelisken, die früher hier standen (je zwei von Thutmosis I. und Thutmosis III.)  ist nur noch ein 22 m hoher Obelisk (G) von Thutmosis I. erhalten. Außerdem befanden sich hier verschiedene Barkenschreine.

Auf dem folgenden Grundriss sind die vielen Veränderungen im Festhof Thutmosis II. über die Jahrhunderte sichtbar:

  • weiß - Thutmosis I.
  • violett - Thutmosis II.
  • hellblau - Hatschepsut
  • petrol - Thutmosis III.
  • gelb - Thutmosis IV.
  • beige - Amenhotep III. und spätere Pharaonen

Amun-Tempel, Festhof Thutmosis II. - Grundriss im Wandel der Zeiten
Festhof Thutmosis II. - Grundriss

Im Festhof treffen sich die beiden Prozessionsstraßen der Ost-/West- und Nord-/Süd-Achse. Letztere legte Ramses IX. als Weg zu den Pylonen 7 - 10 an und baute auf der Südseite des Hofes ein 7,5 Meter hohes Tor. Hier wurden die Heiligen Barken aus den Tempeln von Chonsu und Mut zum Großen Säulensaal getragen.

In nördlicher Richtung führt ein Weg zum Ptah-Tempel.

Amun-Tempel, Festhof Thutmosis II. und 3. Pylon von hinten Amun-Tempel, Festhof Thutmosis II. mit Obelisk von Thutmosis I.
Festhof Thutmosis II.: 3. Pylon von hinten • Obelisk von Thutmosis I. (der linke)

 



Grundriss des östlichen Teils des Amun-Tempels:

Die einzelnen Bereiche sind anklickbar und führen direkt zum entsprechenden Kapitel.

Amun-Tempel: Grundriss des östlichen Teils 4
5
6

G

H
I
J
K
L
M
N
O
P
Q
4. Pylon
5. Pylon
6. Pylon

Festhof von Thutmosis II. mit Obelisk von Thutmosis I.
Kolonnade (Wadjet)
Obelisk von Hatschepsut
Querhalle
Vestibül
Barkensanktuar
Kapelle von Hatschepsut
Palast der Ma'at
Hof des Mittleren Reiches
Ach-menu von Thutmosis III.
Kapelle von Thutmosis III.




4. Pylon (Nr. 4):

Der 4. Pylon, von Thutmosis I. aus weißem Kalkstein erbaut und nach ihm mehrfach repariert und umgebaut, markierte damals den Eingang zum Amun-Sanktuar. Hatschepsut stellte Osiris-Statuen ihres Vaters Thutmosis I. in den Nischen des Pylons auf. Der 4. und der 5. Pylon sind die ältesten Pylonen des Amun-Tempels.

Amun-Tempel: Obelisk von Thutmosis I. mit Tor Ramses IX., 4. Pylon und Hatschepsut-Obelisk
Obelisk von Thutmosis I. (li.) mit Tor Ramses IX., 4. Pylon (Mitte) und Hatschepsut-Obelisk (re.)



Kolonnadenhof (Wadjet) (H):

Der Kolonnadenhof hinter dem 4. Pylon stammt ebenfalls von Thutmosis I. In den Wänden befanden sich Nischen mit Osiris-Statuen.

Die Modelle aus dem Projekt "Digital Karnak" der University of California Los Angeles (UCLA) zeigen das Wadjet zur Zeit von Thutmosis I. und von Hatschepsut:

Kolonnade (Wadjet): Modell der Zeit von Thutmosis I., (c) UCLA Kolonnade (Wadjet): Modell der Zeit von Hatschepsut, (c) UCLA
Kolonnade (Wadjet): Modelle der UCLA

Hatschepsut entfernte die Sandsteinsäulen von Thutmosis I. und stellte 5 vergoldete Papyrussäulen aus Holz auf, die ein Holzdach trugen. Sie gaben dem Hof den Namen Wadjet (wadj = Papyrus). Später ersetzte Thutmosis III. diese durch 14 Steinsäulen und ein Steindach.



» Obelisk von Hatschepsut (I):

Hatschepsut ließ zwei 30 Meter hohe Granit-Obelisken in den Steinbrüchen von Assuan anfertigen, die größten in ganz Ägypten, und in der Kolonnade (H) aufstellen. Die Spitzen waren mit Elektrum; einer Legierung aus Gold und Silber verkleidet, "damit [sie] mit dem Himmel verschmelzen" (Inschrift Hatschepsut). Den Transport der Obelisken von Assuan nach Karnak beschreibt sie ausführlich in der Obeliskenhalle ihres Tempels in Deir el-Bahari.

Thutmosis III. ließ nach ihrem Tod einen hohen steinernen Umgang um die Obelisken errichten (die Inschriften Hatschepsuts blieben unangetastet). Damit waren die Obelisken zu einem großen Teil eingemauert und vor Verwitterung und Zerstörung geschützt. Heute ist einer ihrer Obelisken zerbrochen, seine Bruchstücke liegen an verschiedenen Stellen im Karnak-Tempel, die Spitze beispielsweise am Heiligen See. Der zweite, 323 Tonnen schwere Obelisk steht noch. Die Höhe von Thutmosis' Ummauerung hat einen sichtbaren Farbunterschied im Granit hinterlassen.

Amun-Tempel, Obelisk von Hatschepsut: Aquarell von Henry A. Bacon, 1900, im Honolulu Museum of Art, Hawai'i Amun-Tempel, Wadjet: Obelisk von Hatschepsut
Wadjet mit Hatschepsuts Obelisk: Aquarell von Henry A. Bacon, 1900 (im Honolulu Museum of Art, Hawai'i) • Fotografie



5. Pylon (Nr. 5):

Der 5. - ziemlich zerstörte - Pylon stammt ebenfalls von Thutmosis I. und wurde nach ihm verändert. Eine Statue von Amenhotep III. sitzt vor dem linken Turm. Der Durchgang führt zu einer kleinen, schwer beschädigten Querhalle (J), in der ursprünglich 20 Säulen standen.

Amun-Tempel, 5. Pylon: Statue Amenhotep III., (c) Olaf Tausch
5. Pylon: Statue Amenhotep III.



6. Pylon (Nr. 6):

Der 6. Pylon ist der kleinste der Pylonen und wurde von Thutmosis III. erbaut. Dieser beschriftete ihn mit den 120 Namen der syrischen Städte und nubischen Türme, die er während seiner Feldzüge eingenommen hatte. Hinter dem 6. Pylon liegt ein Vestibül (K). Links sind zwei Statuen von Amun und seiner weiblichen Entsprechung, der Göttin Amunet aus der Zeit von Tutanchamun zu sehen.

Amun-Tempel, Vestibül hinter dem 6. Pylon: Amun und seine Gefährtin Amunet
Vestibül hinter dem 6. Pylon: Amun und seine Gefährtin Amunet

Amun-Tempel: Vestibül hinter dem 6. Pylon: Amun Amun-Tempel: Vestibül hinter dem 6. Pylon: Amunet
Vestibül hinter dem 6. Pylon: Amun • seine Gefährtin Amunet

Eins der beiden schwarzen Granittore, die aus Hatschepsuts Roter Kapelle stammen, führt in den rechten, südlichen Teil des Vestibüls. Die kleinen Räume zu beiden Seiten des Vestibüls wurden Annalensaal genannt, da sie die Verdienste des Pharaos auflisten.



» Palast der Ma'at (N):

Die Räume hinter dem Vestibül tragen den Namen "Palast der Ma'at". Hatschepsut ließ sie bei der Neugestaltung des Hofes aus dem Mittleren Reich bauen. Davor stehen zwei mächtige Wappenpfeiler aus Granit, von denen einer mit einer Lotusblüte (Symbol für Oberägypten), der andere mit einem Papyrus (Symbol für Unterägypten) verziert ist.

Amun-Tempel, Vestibül: Wappenpfeiler aus rotem Granit Amun-Tempel, Vestibül: Wappenpfeiler aus rotem Granit
Vestibül: Wappenpfeiler aus rotem Granit



» Barkensanktuar von Philipp III. Arrhidaios (L):

Amun-Tempel, Palast der Ma'at - GrundrissDirekt auf der Hauptachse des Amun-Tempels, mitten im "Palast der Ma'at" baute schon Thutmosis III. einen Barkenschrein. Philipp III. Arrhidaios, der schwachsinnige Halbbruder von Alexander dem Großen, der von 323 bis 317 v. Chr. in Ägypten Pharao war, ließ den schon verfallenen Schrein abbauen und aus Rosengranit neu errichten. Er ist 18 m lang, 6 m breit und hat 2 Räume, eine Opfer- und eine Barkenhalle. Die eingemeißelten Figuren wurden gelb bemalt.

Amun-Tempel: Barkensanktuar von Philipp III. Arrhidaios
Barkensanktuar von Philipp III. Arrhidaios



» Schrein von Hatschepsut (M):

Amun-Tempel, Palast der Ma'at - GrundrissAuf der linken Seite des Barkensanktuars von Philipp III. Arrhidaios (L) führt ein Weg zum 2. Granittor aus Hatschepsuts Roter Kapelle. Dort war es der Haupteingang, hier führt es in einen kleinen Hof, in dem 2 Kapellen liegen. Die linke wurde für Thutmosis II. errichtet, die rechte für Hatschepsut, seine Gemahlin. Die Reliefs hier zeigen sie bzw. das, was ihr Stiefsohn Thutmosis III. von ihr übrig ließ, umgeben von wunderbaren Thot- und Horus- Darstellungen.

Amun-Tempel: Amun-Min-Relief an der Außenwand des Ma'at-Palastes Amun-Tempel: Granittor zum Hof des Schreins von Hatschepsut aus ihrer Roten Kapelle
Amun-Min-Relief an der Außenwand des Ma'at-Palastes • Granittor zum Hof des Schreins von Hatschepsut aus ihrer Roten Kapelle

Amun-Tempel, Hatschepsut-Kapelle: Relief der linken Wand - Amun-Min und Hatschepsut Amun-Tempel, Hatschepsut-Kapelle: Relief der linken Wand - Hatschepsut zwischen Horus und Thot
Hatschepsut-Kapelle - Reliefs der linken Wand: Amun-Min und Hatschepsut • Hatschepsut zwischen Horus und Thot

Amun-Tempel, Hatschepsut-Kapelle: Detail des Thot-Reliefs an der linken Wand - über ihm eine ausgehackte Kartusche mit Hatschepsuts Thronnamen Maat-ka-Re
Hatschepsut-Kapelle: Detail des Thot-Reliefs an der linken Wand - über ihm eine ausgehackte Kartusche mit Hatschepsuts Thronnamen Maat-ka-Re

Amun-Tempel: Vielfach berührter Skarabäus zwischen Hatschepsuts herausgehackten Namen
Vielfach berührter Skarabäus zwischen Hatschepsuts herausgehackten Namen



» Der Hof des Mittleren Reichs (O):

Er ist der älteste erhaltene Teil des Amun-Tempels. In diesem offenen Hof errichtete einst Senwosret I. (12. Dynastie) einen Kalksteintempel (38 x 38 m) - eine seiner Kapellen ist nun im Open-Air-Museum zu besichtigen. Hier stand auch das älteste Tempelbauteil, das 1984 bei Ausgrabungen entdeckt wurde und sich heute im Luxor-Museum befindet: eine Säule von Anjotef II. aus der 11. Dynastie.

Amenhotep I. (18. Dynastie) ließ den Tempelbau von Senwosret I. im Wesentlichen unverändert, gestaltete aber das Areal um ihn herum völlig neu. Er ersetzte de Lehmziegelmauern durch Sandsteinmauern und baute viele kleine Sandstein-Kapellen in den Hof vor dem Tempel.

Die Modelle aus dem Projekt "Digital Karnak" der University of California Los Angeles (UCLA) zeigen das Aussehen des Hofes zu Zeiten Senwosret I. (li.) und Amenhotep I. (re.):

Amun-Tempel: Modell des Hof des Mittleren Reichs zu Zeiten von Sesostris I., (UCLA) Amun-Tempel: Modell des Hof des Mittleren Reichs zu Zeiten von Amenhotep I., (UCLA)
Modelle des Hof des Mittleren Reichs

Vom Tempel des Mittleren Reichs ist nichts mehr erhalten. Schon Hatschepsut entfernte die Pfeilerkolonnaden, um Platz für ihren Palast der Ma'at zu schaffen. Der Rest des Tempels soll bis zu seiner Schließung im 4. Jh. n. Chr. gestanden haben. Daraufhin verwendeten die Bewohner von Karnak seine Steine für ihre Häuser.

In der Mitte des Hofes sind noch vier Türschwellen aus Granit auf ihrem Fundament zu sehen - sie stammen aus dem frühen Neuen Reich - und ein wenig weiter hinten ein großer Alabasterblock.



» Ach-menu, der Tempel Thutmosis III. (P):

Amun-Tempel, Tempel Thutmosis III.: GrundrissDas Ach-menu ("Erhaben ist das Andenken") ist ein Millionenjahrhaus. Der Tempel im Tempel schließt zwar direkt an den Hof des Mittleren Reiches an, erstreckt sich jedoch quer zur eigentlichen Tempelachse und hatte seinen Eingang rechts im Süden.

Im Ach-menu fanden unter Thutmosis III. die Zeremonien im Zusammenhang mit dem Sed-Fest statt. Die vordere, westliche Wand, in der der heutige Eingang liegt, ist zerstört.

Amun-Tempel: Tempel Thutmosis III. mit dem Hof des Mittleren Reichs im Vordergrund
Tempel Thutmosis III. mit dem Hof des Mittleren Reichs im Vordergrund

Die Festhalle (a) Heret-ib ist 44 m breit und hat eine ähnliche Konstruktion wie der Große Säulensaal (G): Die mittleren 20 Säulen sind höher als die 32 Pfeiler, die sie umgeben, wodurch von oben seitliches Sonnenlicht einfallen kann. Einzigartig in Ägypten ist die Form der Mittelsäulen: Sie werden von unten nach oben etwas breiter, enden mit einem ungewöhnlichen Grat und sollen Zeltstangen symbolisieren.

Amun-Tempel, Tempel Thutmosis III.: Zeltstangensäulen
Tempel Thutmosis III.: Zeltstangensäulen

Amun-Tempel, Tempel Thutmosis III.: Hieroglyphen an einem Architrav
Tempel Thutmosis III.: Hieroglyphen an einem Architrav

Die Inschriften an den Säulen wurden in der Amarna-Zeit und in der christlichen Zeit, als die Halle als Kirche diente, entfernt. Ein Heiligenbildnis an einer der Säulen zeugt noch von dieser Zeit.

Amun-Tempel, Tempel Thutmosis III.: Pfeiler und Säulen Amun-Tempel, Tempel Thutmosis III.: Säule mit Heilgembild
Tempel Thutmosis III.: Pfeiler und Säulen • Säule mit Heilgembild

Links außen befinden sich 3 Kapellen (b). In der linken steht eine riesige beschädigte Statue von Thutmosis III. mit Amun und Mut an seinen Seiten. Noch weiter außen liegt die Sonnen-Kapelle (c).

Auf der Mittelachse hinter der Festhalle liegen zunächst 3 kleine Räume, die nach links zu einem Raum mit 4 Papyrussäulen führen, dem sogenannten Botanischen Garten (d). Er heißt so, weil sich an seinen 15 x 6 m breiten Wänden Reliefs von Pflanzen und Tieren der damals bekannten Welt befinden - zu Ehren Amuns als Schöpfer allen Lebens, denn er hatte in diesem verborgenen Winkel des Tempels sein Allerheilgstes (e).

Amun-Tempel, Tempel Thutmosis III.: Botanischer Garten
Tempel Thutmosis III.: "Botanischer Garten"

Rechts von der Mittelachse befindet sich an der hinteren Wand eine Kapelle (f), die von Alexander den Großen usurpiert und mit Reliefs verziert wurde, die gut erhalten sind:

Amun-Tempel, Tempel Thutmosis III.: Alexander der Große mit Amun-Re und Horus
Tempel Thutmosis III.: Alexander der Große mit Amun-Re und Horus

Daneben liegen 3 Sanktuare (g) zu Ehren von Sokar. Im südwestlichen Eck des Tempels befand sich die Königsliste von Karnak, ein Sandstein-Relief, das beginnend mit Snofru 61 für Theben wichtige Pharaonen mit ihren Kartuschen im Sitzen zeigt, während Thutmosis III. stehend vor ihnen opfert. Die Liste ist geschichtlich von größtem Interesse, da sie Pharaonen der 1. und 2. Zwischenzeit nennt, die in keiner der anderen Königslisten aufgelistet werden. Sie wurde 1843 in einer Nacht- und Nebelaktion von einem Franzosen außer Landes geschmuggelt und befindet sich heute im Louvre.

Amun-Tempel: Tempel Thutmosis III.: Zeichnung der Königsliste von Karnak, (c) PLstrom
Tempel Thutmosis III.: Zeichnung der Königsliste (die weißen Bereiche fehlen)

An der rechten Außenwand liegen nebeneinander einige kleine Kulträume (h), die als Lager für Kultgegenstände und Opfergaben dienten. Was wo aufbewahrt wurde, ist an den Wänden beschrieben.



» Gegenkapelle von Thutmosis III. (Q):

Hinter der eingestürzten östlichen Wand des Ach-menu baute Thutmosis III. eine Gegenkapelle - die "Kapelle des hörenden Ohres" an die Außenwand des Amun-Tempels. Darin sitzt eine Alabasterstatue des Pharaos mit einer Göttin. Ramses II. baute weiter östlich ebenfalls eine Gegenkapelle und usurpierte die in der Nähe stehenden Osirisstatuen.

Amun-Tempel: Gegenkapelle von Thutmosis III., (c) Olaf Tausch
Gegenkapelle von Thutmosis III.

Amun-Tempel: Modell der Gegenkapelle, (c) UCLA
UCLA-Modell der Gegenkapelle flankiert von 2 Obelisken im Vordergrund



Heiliger See:

Ein Heiliger See gehörte zu jeder ägyptischen Tempelanlage - als Wasserlieferant und als kultische Bühne für rituelle Bootsfahrten mit Statuen der verehrten Gottheiten. Er symbolisierte den Urozean und den Gott Nun.

Der Heilige See in Karnak ist der größte Tempelsee Ägyptens. Er wurde zwar schon von Thutmosis III. südlich des Ach-menu (P) angelegt, doch in seiner jetzigen Form von Taharqa gestaltet und später modernisiert (die Tribüne der Sound & Light Show liegt an seinem Ostufer). Er misst 200 × 117 Meter und wird nur durch Grundwasser gespeist. In der Südwand des Sees führte ein Tunnel zu einem kleinen überdachten Gehege mit Gänsen, den heiligen Tieren Amuns. Die Amun-Priester ließen sie jeden Tag auf dem See schwimmen.

Amun-Tempel: Blick nach Westen auf den See, den 8. Pylon und den 1. Pylon
Blick nach Westen auf den See, den 8. Pylon (li.) und den 1. Pylon (Mitte)

Die Priester betraten den Bereich des Sees durch den 7. Pylon, wo sie ihre täglichen Renigungsrituale ausführten und lebten ihren von Zeremonien und Gebeten bestimmten Alltag in Gebäuden am Ostufer des Sees. Direkt dahinter wohnten Handwerker und Künstler, die für den Tempel arbeiteten.

Am Südufer befanden sich diverse Verwaltungsgebäude und Lagerräume für Opfergaben.

Am Westufer liegt die Spitze des 2. Obelisken von Hatschepsut, der ursprünglich zwischen dem 4. und 5. Pylon stand und Krönungsszenen zeigt. Einige Meter weiter steht auf einem Podest ein mächtiger Skarabäus aus Rosengranit, der die aufgehende Sonne und den Gott Chepri repräsentiert - einer von vieren, die Amenhotep III. für seinen Totentempel in Theben herstellen ließ. Taharqa transportierte ihn nach Karnak.

Amun-Tempel: Spitze eines Obelisken von Hatschepsut am Heiligen See Amun-Tempel: Granit-Skarabäus am Heiligen See
Heiliger See: Spitze eines Obelisken von Hatschepsut • Granit-Skarabäus

Am Nordufer befindet sich ein Kiosk von Taharqa, in dem Re-Harachte verehrt wurde, und ein Nilometer.



Grundriss des südlichen Teils des Amun-Tempels:

Die einzelnen Bereiche sind anklickbar und führen direkt zum entsprechenden Kapitel.

Amun-Tempel: Grundriss des südlichen Teils   3
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  3. Pylon
  4. Pylon

  7. Pylon
  8. Pylon
  9. Pylon
10. Pylon

Cachettehof
Tempel Amenhotep II.

Im Hof zwischen dem 3. und dem 4. Pylon führt ein Weg durch ein kleines Tor von Ramses IX. zu den auf der Nord-Süd-Achse liegenden Pylonen 7 - 10. Diese neue Achse wurde von Hatschepsut mit dem Bau des 8. Pylon initiiert und sollte eine Verbindung zwischen dem Amun-Tempel und dem außerhalb des Amun-Bezirks im Süden gelegenen Mut-Tempel schaffen.



7. Pylon (Nr. 7):

Thutmosis III. baute nach seiner Thronbesteigung den 7. Pylon vor den schon existierenden 8. Pylon von Hatschepsut und errichtete 2 Obelisken. Vom linken steht nur noch ein Fragment, der rechte befindet sich in Istanbul. Die Statuen, die heute davor stehen, standen ursprünglich nicht dort.

Amun-Tempel: Vorderseite des 7. Pylon mit Statuen von Thutmosis III., Amenhotep II. und Pharaonen aus der 2. Zwischenzeit sowie Teil des Cachette-Hofes
Vorderseite des 7. Pylon mit Statuen von Thutmosis III., Amenhotep II. und Pharaonen aus der 2. Zwischenzeit sowie Teil des Cachette-Hofes

Amun-Tempel: 7. Pylon von Süden
7. Pylon von hinten (Süden)



» Cachette (R):

In dem Hof vor dem 7. Pylon, dem sogenannten Cachette-Hof, vergruben die Amun-Priester Tempelaustattung, die sie nicht mehr benötigten, da ständig neue Statuen und andere Kultobjekte in den Tempelwerkstätten hergestellt wurden. Neferronpet, Schreiber im Schatzhaus des Amun-Re, berichtet in seinem Grab (TT178) auf der Westbank ausführlich über die Arbeiten von Kunsthandwerkern im Schatzhaus und seine eigene Tätigkeit als Aufseher und Verwalter.

1903 fand der französische Ägyptologe Georges Legrain diese Cachette, aus der er im Lauf von 4 Jahren 750 Steinstatuen und 18.000 weitere Objekte aus verschiedenen Zeitaltern ausgrub. Sie gehören mit zu den schönsten Objekten, die jemals in Ägypten gefunden wurden und befinden sich heute großteils im Ägyptischen Museum in Kairo.

Amun-Tempel: Zeitgenössische Fotografie der Arbeiten im Cachette-Hof
Zeitgenössische Fotografie der Arbeiten im Cachette-Hof

Amun-Tempel, Statuenfund in der Cachette: Statue Thutmosis III, Basalt, im Luxor-Museum Amun-Tempel, Statuenfund in der Cachette: Statue von Isis, der Mutter Thutmosis III., schwarzer Granit und Gold, 18. Dynastie, Höhe: 98,5 cm, Ägyptisches Museum Kairo
Statuenfunde in der Cachette: Thutmosis III. • seine Mutter Isis

Gefunden wurden auch 2.000 Kalkstein- und Calcitblöcke, die vom Tempelbau Amenhotep I. aus der frühen 18. Dynastie stammen. Diese und andere Steine, die man in den Fundamenten des 3. Pylon fand, liegen nun aufgereiht zwischen dem westlichen Teil des Amun-Tempels und dem Chonsu-Tempel - sofern sie nicht zur Weißen Kapelle von Senwosret I. gehörten, die im Open-Air-Museum wieder aufgebaut wurde.

Amun-Tempel: Lager der Steinblöcke aus Bauten Amenhoteps I. aus dem 3. Pylon
Lager der Steinblöcke aus Bauten Amenhoteps I. aus dem 3. Pylon

Im Hof zwischen dem 7. und 8. Pylon befand sich auf der linken Seite der Eingang zu einer Alabasterkapelle von Thutmosis III., auch Seekapelle genannt, denn sie war auch vom Heiligen See aus zugänglich. Sie stand auf einem 0,5 Meter hohen Sandstein-Podium und war von einem Säulenhof bestehend aus 18 Säulen umgeben. Thutmosis III. hatte sie als genaue Kopie der Alabasterkapelle von Amenhotep I. erstellen lassen und als Barkenstation verwendet. Nur noch die untersten Steine sind zu sehen.

Amun-Tempel: Alabasterschrein Thutmosis III. außerhalb des Hofs zwischen 7. und 8. Pylon
Alabasterschrein Thutmosis III. außerhalb des Hofs zwischen 7. und 8. Pylon



8. Pylon (Nr. 8):

Der 8. Pylon trägt eine Inschrift von Hatschepsut. Wieder, denn Thutmosis III. entfernte sie und beschriftete den Pylon neu, Echnaton hackte alles aus und Sethos I. rekonstruierte sie. Letzterer ist auf der Vorderseite des Pylons in Reliefs dargestellt, Hatschepsuts Ehemann Thutmosis II. auf der Rückseite.

Amun-Tempel: 8. Pylon von Süden mit 4 Sitzfguren von Hatschepsut, Thutmosis III. und ihren Vorgängern
8. Pylon von hinten (Süden) mit 4 Sitzfguren von Hatschepsut, Thutmosis III. und ihren Vorgängern



9. Pylon (Nr. 9):

Haremhab hatte beim Bau des 9. Pylons 60.000 Blöcke aus anderen Tempeln als Füllmaterial benutzt. Allein im Westturm (auf dem Foto rechts) fanden Archäologen 4.000 dekorierte Talatat aus Echnatons Tempeln zu Ehren Atons und bauten sie wieder aus. Der Pylon erhält nun im Zuge seiner Rekonstruktion einen neuen Zement-Kern. Die Blöcke der Verkleidung erhalten wieder ihren ursprünglichen Platz.

Amun-Tempel: 9. Pylon von Süden
9. Pylon von hinten (Süden)



» Tempel Amenhotep II. (S):

Amun-Tempel, Tempel Amenhotep II.: GrundrissZwischen dem 9. und dem 10. Pylon befindet sich links im Hof der Tempel von Amenhotep II. für sein Sed-Fest. Eine Rampe führt zu einer Kolonnade, die in eine quadratische Pfeilerhalle übergeht. Nördlich und südlich davon befinden sich kleine Räume. Neueste Untersuchungen ergaben, dass nicht Amenhotep II. den Tempel in seiner jetzigen Form errichten ließ, sondern dass Haremhab ihn aus den Baumaterialien von 4 Gebäuden des Hofes hinter dem 9. Pylon neu zusammensetzte und Sethos I. sein Werk vollendete.

Amun-Tempel: Tempel Amenhotep II.
Tempel Amenhotep II.

Amun-Tempel: Tempel Amenhotep II. Amun-Tempel: Tempel Amenhotep II.
Tempel Amenhotep II.

Amun-Tempel: Tempel Amenhotep II.
Tempel Amenhotep II.



10. Pylon (Nr. 10):

Vor dem 10. Pylon standen 2 Kolossalstatuen Ramses II., von denen nur noch der Sockel erhalten ist. Amenhotep III. begann mit dem Bau des Pylons, Haremhab vollendete ihn. Unter Nektanebos I. wurde er in die Umfassungsmauer integriert.

Amun-Tempel: 10. Pylon von Norden
10. Pylon von vorn (Norden)

Hinter dem 10. Pylon begann die neue Prozessionsstraße zum Mut-Tempel, eine Widdersphingenallee. Von dort führte eine weitere Sphingenallee in Richtung Nil - sie wurde erst 2010 entdeckt - bis zur langen Sphingenallee, die das Euergetes-Tor des Karnak-Tempels mit dem Luxor-Tempel verbindet.

Amun-Tempel: Tor des 10. Pylon von Süden mit Sphingenallee zum Mut-Tempel und Dorf Karnak
Tor des 10. Pylon von Süden mit Sphingenallee zum Mut-Tempel und Dorf Karnak

Amun-Tempel: Sphingenallee zwischen 10. Pylon und Mut-Tempel Amun-Tempel: Sphingenalleen: zwischen Mut-Tempel und Sphingenallee, die zum Luxor-Tempel führt
Sphingenalleen: zwischen 10. Pylon und Mut-Tempel • zwischen Mut-Tempel und Sphingenallee, die zum Luxor-Tempel führt

Gerne organisieren wir für Sie ein Besichtigungsprogramm, das wir ganz nach Ihren Wünschen zusammenstellen!

 



Zum Karnak-Tempel allgemein...
Zu weiteren Tempeln im Amun-Bezirk...
Zum Open-Air-Museum im Karnak-Tempel...
Zum Mut-Tempel-Bezirk...

Zum Verzeichnis aller beschriebenen Tempel...



Quellen und Literatur:

Projekt "Digital Karnak", University of California Los Angeles (UCLA): Website
Centre franco-égyptien d’étude des temples de Karnak (CFEETK): Website
Datenbank der Karnak-Cachette von IFAO (Institut français d’archéologie
   orientale) und SCA (Scientific Concil of Antiquities): Website

Ludwig Borchardt: Zur Baugeschichte des Amonstempels von Karnak, 1905
Ali El-Sharkawy: Der Amun-Tempel von Karnak, 1997

 



 
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