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Luxor Westbank -
Totentempel Ramses III.
Medinet Habu
Ramses III., Pharao der 20. Dynastie im Neuen Reich, regierte von 1187 – 1156 v. Chr. Seinen Totentempel ließ er noch zu seinen Lebzeiten auf den Ruinen eines Tempels der 18. Dynastie in Medinet Habu (koptisch: Djeme) errichten. Das Gebiet liegt am Fuß der thebanischen Hügel am südlichen Ende von Theben, der heutigen Westbank von Luxor.
Totentempel Ramses III. aus der Luft
In einem Totentempel wurden auch schon zu Lebzeiten des Pharaos rituelle Handlungen der Reinigung und Opferung vollzogen. Nach seinem Tod diente er dazu, desen Wiedervereinigung mit der höchsten Gottheit zu erreichen. Im Neuen Reich war das die thebanische Göttertriade Amun, Mut und Chons. Ursprünglich verband ein System von Kanälen die königlichen Totentempel mit dem Nil.
Das Baumaterial für das Millionenjahrhaus stammte aus den großen Sandsteinbrüchen in Gebel es-Silsila in der Nähe von Assuan. Dort ließ Ramses III. anschließend 2 Stelen aufstellen, die ihn mit Amun-Re und Hapi bzw. mit Amun, Mut und Chons zeigen. In diesem Zusammenhang fand übrigens 1159 v. Chr. in Medinet Habu der 1. dokumentierte Streik der Weltgeschichte statt! Grund: Der Lohn der Arbeiter, der in Form von Lebensmitteln ausbezahlt wurde, war seit 18 Tagen überfällig.

Eingang und Erster Pylon
Der Totentempel Ramses III. zählt zu den am besten erhaltenen Tempeln des Neuen Reichs und ist der letzte, der gebaut wurde. Sein Grundriss basiert auf dem des Ramesseums von Ramses II. Der gesamte Tempelbezirk misst 210 x 315 Meter. Wie eine kleine Stadt hatte er Verwaltungsgebäude, Bedienstetenwohnungen, Magazine und Werkstätten. Noch heute ist er von einer 10 Meter dicken und 21 Meter hohen Lehmziegelmauer (Nr. 1) umgeben.

Rekonstruktion des Totentempels Ramses III.
Von 1924 bis 1937 grub das Oriental Instute of the University of Chicago den Tempel aus und ist seitdem damit beschäftigt, ihn zu dokumentieren.
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Totentempel Ramses III. 1 Umfassungsmauer |
Rundgang:
Die umlaufende Mauer wird von 2 Toren durchbrochen. Wir betreten den Tempel durch das 22 Meter hohe Osttor (Nr. 3), den früheren Prozessionseingang. Wegen seiner Ähnlichkeit mit einem syrischen Festungsturm nennt man es "Migdol". Darin lagen die Gemächer des königlichen Harems, in denen ein Attentat gegen Ramses III. geplant wurde.

Migdol (Osttor)
Das Äußere des Tempels ist fast vollständig erhalten. Es war ursprünglich weiß gekalkt und mit Szenen in leuchtenden, bunten Farben bemalt.
Wir betreten einen weiträumigen Vorhof, in dem sich zur Linken 4 kleine Kapellen (Nr. 4) befinden, die jeweils für ein "göttliches Weib von Amun" erbaut wurden, also für Amun-Priesterinnen.


Kapellen der Göttlichen Anbeterinnen mit Altar und umlaufendem Gang
Zur Rechten stehen die Überreste eines Steintors von Nektanebos I. und die Ruinen des oben erwähnten kleinen Tempels (Nr. 5) aus der 18. Dynastie, der unter Hatschepsut begonnen, von Echnaton aus religiösen Gründen beschädigt und von Sethos I. und Ramses III. wieder restauriert wurde.


Steintor Nektanebos' I. Kleiner Tempel von Hatschepsut

Tempel aus der 18. Dynastie
Der Heilige See (Nr. 6) befindet sich rechts von diesem Tempel in der Nähe der Umfassungsmauer.

Heiliger See und Zweiter Pylon mit Tempelgebäude
Wir gehen schräg über den Hof zum Ersten Pylon (Nr. 8), der 27 Meter hoch und 65 Meter breit ist. Die Reliefs erzählen von den Siegen Ramses III. über die Feinde Ägyptens.

Zweiter Pylon
Durch das Tor im Ersten Pylon gelangen wir in den Ersten Hof (Nr. 9) des Tempels. Er hat eine Grundfläche von 35 x 48 Metern und bildet auch den Vorhof zum Königspalast (Nr. 10), der an die linke Hofwand grenzt. Linker Hand bilden 8 Säulen mit offenen Papyruskapitellen einen Portikus. Dort befindet sich das "Erscheinungsfenster", in dem sich der Pharao während Zeremonien und Feierlichkeiten zeigte.

Erster Hof mit Papyrus-Säulen und Erscheinungsfenster
Auf der rechten Seite des Ersten Hofs tragen 7 riesige Osiris-Pfeiler vor quadratischen Säulen die Decke des umlaufenden Gangs.

Erster Hof mit Osiris-Pfeilern
Durch das Tor im Zweiten Pylon (Nr. 11) gelangen wir in den Zweiten Hof (Nr. 12), der 38 x 42 Meter misst. Der Hof diente als Festhalle, daher tritt die Darstellung militärischer Szenen hier zu Gunsten der Abbildung von Festen zu Ehren des Gottes Min und des Wächters der Unterwelt Ptah-Sokar in den Hintergrund. Rechts und links tragen Säulen mit geschlossenem Papyrusbündel-Kapitellen die Decke von schmalen Kolonnaden, vorne und hinten stehen jeweils 8 Osiris-Pfeiler. Diese wurden, als der Hof in frühchristlicher Zeit in eine Kirche umgewandelt wurde, von den Kopten rücksichtslos zerstört. 1891 entfernte die ägyptische Altertümerverwaltung die Überreste der Kirche.


Zweiter Hof mit Papyrussäulen Zeichnung von David Roberts, 1839
Vorne hinter den Osiris-Säulen befindet sich eine weitere Säulenreihe. Da die Decke dieses Portikus unzerstört blieb, ist die jahrtausendealte Farbenpracht von Decke und Säulen bemerkenswert gut erhalten geblieben.

Zweiter Hof, Relief auf Architrav (Stützbalken zwischen Säulen)


Zweiter Hof: Säulenkapitell Sternendecke


Zweiter Hof: Papyrusbündelsäulen Relief auf Architrav




Zweiter Hof, Reliefs auf Architraven

Zweiter Hof, Relief auf Architrav
Unser Weg führt uns geradeaus weiter in den Großen Säulensaal (Hypostyl, Nr. 13). Von den sehr eng stehenden 24 Papyrussäulen, die einst die Decke trugen, sind nur noch Reste erhalten. Die oberen Steinblöcke wurden von späteren Pharaonen für ihre eigenen Bauwerke benutzt.

Großer Säulensaal
Auf der linken Seite der Säulenhalle befindet sich die Schatzkammer (Nr. 14), eine Flucht von 5 kleinen Räumen, die als Lager für kostbare religiöse Gerätschaften dienten. Die Tür war zu Zeiten Ramses III. aus Schutzgründen einen Großteil des Jahres zugegipst und als Wand getarnt.

Schatzkammer
Auf der rechten Seite der Säulenhalle befinden sich 6 Kapellen (Nr. 15) für verschiedene Gottheiten.

Kapelle: Gott Amun mit dem Pharao
Der Zweite Säulensaal (Nr. 16) und Dritte Säulensaal (Nr. 17), das Allerheiligste (Nr. 18) und die seitlichen Räume sind bis auf ein paar Reliefs kaum erhalten.

Blick auf den Dritten Säulensaal und das Allerheiligste

Ein Relief zeigt Paviane, wie sie die Sonnenbarke anbeten.
Beim Verlassen des Tempels werfen wir noch einen kurzen Blick in den Königspalast (Nr. 10) Ramses III., der sich auf der Südseite des Tempels auf Höhe des Ersten Hofes befindet.
Königspalast Ramses III.


Königspalast Ramses III. Königliches Badezimmer

Blick auf das Westtor mit Säulenfragmenten
Der Totentempel in Medinet Habu war nicht nur ein Ort für Festlichkeiten, sondern 1156 v. Chr. auch Schauplatz eines undenkbaren Verbrechens. Drei erhaltene Papyri berichten von einer Verschwörung im königlichen Harem. Ziel war die Ermordung Ramses III.., die Drahtzieherin war Teje, eine seiner Gemahlinnen, die ihren Sohn Pentawer auf den Thron hieven wollte. Dabei machte sie auch vor schwarzer Magie nicht Halt, schließlich wurde ein Pharao von den Göttern beschützt - dagegen half nur Zauberei.

Papyrus Rollin, der sich auf die Aufklärung der Verschwörung bezieht
Das alljährlich stattfindende Talfest wurde als Termin für den Anschlag festgesetzt, doch das Komplott wurde rechtzeitig entdeckt. Alle Beteiligten kamen vor Gericht und wurden hingerichtet. Ramses III. starb - noch während des Verfahrens - 2 Wochen später. Neueren Forschungen zufolge an den Folgen eines Schlangenbisses, denn der Anschlag soll mit einer Giftschlange durchgeführt worden sein. Als nach dem Tod Ramses III. sein Sohn Ramses IV. den Thron bestieg, befahl er, die Geschichte vom Verrat an seinem Vater in besagten Papyri niederzuschreiben.
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