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Luxor Westbank - TT100, Grab von Rechmire

Der Totenkult spielte im Alten Ägypten eine große Rolle, denn der Glaube an ein Weiterleben nach dem Tod war wichtiger Bestandteil der ägyptischen Kultur und Religion. Ursprünglich wurden nur Pharaonen in prunkvoll ausgeschmückten Grabanlagen mit kostbaren Grabbeigaben bestattet, doch im Lauf der Geschichte genossen auch Staatsbeamte dieses Privileg.

Grab von Rechmire
TT100, das Grab von Rechmire, gehört zu den Gräbern der Adligen in Scheich Abd-el Qurna in Theben-West. Es stammt aus der 18. Dynastie (aus der Spätzeit von Pharao Thutmosis III. und der Frühzeit von Amenhotep II.). Rechmire war Bürgermeister von Theben und Wesir von Unterägypten. Damit war er der zweitwichtigste Mann im Staat. Er verwaltete die pharaonischen Besitztümer, fungierte als Richter, war für die innere Sicherheit des Landes zuständig und nahm Steuern ein - um nur einige seiner Aufgaben zu nennen. Im Grab befindet sich die besonders gut erhaltene Version einer Dienstanweisung für den Wesir. Die Inschriften dienen außerdem als Informationsquelle für das Steuersystem des Neuen Reichs.


Lage und Grundriss des Grabes von Rechmire
Das Grab von Rechmire und seiner Frau Merit hat einen T-förmigen Grundriss und besteht aus dem Hof (A), der Querhalle (B), dem Inneren Raum (C) und einer Statuennische (D). Da im Grab keine Grabkammer gefunden wurde, liegt die Vermutung nahe, dass es nie als solches benutzt wurde - womöglich weil Rechmire am Ende seiner Laufbahn in Ungnade fiel...
Nahezu die gesamte Wandfläche des Grabes ist dekoriert. Schon kurz nach dem Tod von Rechmire wurden einige Zeichnungen zerstört, einige andere später in der Amarnazeit.
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Querhalle (B):
Die Querhalle ist 20 Meter breit und zeigt Szenen zu den personellen und geschäftlichen Angelegenheiten von Rechmire.
Wir beginnen unseren Rundgang links vom Eingang. Rechmire sitzt im Gerichtsgebäude und inspiziert Beamte. Er spricht in den Inschriften über seine Pflichten als Wesir. Daneben sind Steuereinnehmer abgebildet, die Steuerzahlungen in Form von Goldringen, Rindern, Affen, Korn, Honig, Tauben, Stoffen und Perlen entgegennehmen, während Steuerbetrüger abgeführt werden.

Querhalle, Ostwand: Steuerbetrüger vor Gericht
Die anschließende schmale (südliche) Wand enthält einen Text über das Leben Rechmires.
Auf der darauf folgenden (westlichen) Wand empfängt Rechmire wertvolle Tribute untergebener Völker: Straußenfedern, Straußeneier, Myrrhensträucher, Stoßzähne von Elefanten, Gold, Leoparden, Geparden, Affen und Paviane aus Punt; Silber, Gold, Bronze, Lapislazuli und dekorierte Vasen aus Keftiu (Kreta); Ebenholz, Gold, Leopardenfelle, Straußenfedern, Straußeneier, Edelsteine, Jagdhunde, einen Leoparden, einen Pavian, eine Giraffe mit einem kleinen Affen und eine Rinderherde aus Nubien; einen Braunbären und einen Elefanten aus Retenu (Syrien).

Querhalle, Westwand links: Zeichnung

Querhalle, Westwand links, Mitte: Tribute von Nubiern


Querhalle, Westwand links: Tributszenen, gemalt von Nina de Garis Davies:
Syrer mit Elefant und Braunbär, 1931 Kreter mit Vasen, 1931
Auf der rechten westlichen Wand sind Männer zu sehen, die Trauben pressen, Vögel und Fische konservieren:

Querhalle, Westwand rechts: Traubenernte
Eine Jagdszene zeigt Straußenvögel, Gazellen, Antilopen, Kannichen und Hyänen, die versuchen, Rechmires Pfeilen und Speeren zu entkommen. Da das Gebiet eingegrenzt ist, haben sie keine Chance. Die toten Tiere werden anschließend von einem Schreiber erfasst und dienen als Vorräte im Jenseits.

Querhalle, Westwand rechts: Jagd
Die schmale nördliche Wand zeigt Rechmire und seine Frau, wie sie von Verwandten und Beamten begrüßt werden.
Auf der anschließenden östlichen Wand kontrolliert Rechmire Steuereinnahmen und Lieferungen, die für den Amun-Tempel in Karnak bestimmt sind: Möbel, Statuen, Schilde, Halsketten, Gefäße und vieles mehr. Vieh wird gezählt, die Ernte gewogen. Zu sehen ist hier auch die einzigartige Darstellung eines sitzenden Pharaos, dessen Füße auf einem knienden Nubier ruhen.

Querhalle, Ostwand rechts: Lieferungen für den Karnak-Tempel
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Innerer Raum (C):
Der innere Raum erstreckt sich 25 m tief in den Berg hinein, seine Decke steigt auf der gesamten Länge an: se ist anfangs 3 Meter hoch, am Ende 9 Meter, was eine bemalte Fläche von 300 Quadratmetern ergibt. An der Stirnseite befindet sich oberhalb der Scheintüre eine Statuennische.


Blick in den inneren Raum Scheintür (Original im Louvre)
Die dargestellten Szenen im inneren Raum haben vor allem Kunst und Handwerk, Alltag, Begräbnisfeiern und Bestattungsrituale zum Thema.
Auf der linken (südlichen) Wand zeigt Rechmire all seine Aufgaben für den Amun-Tempel in Karnak. Auf Grund der Enge des Raums ist es unmöglich, zurück zu treten, um einen unverzerrten Gesamteindruck zu gewinnen. Hany Farid, ein amerikanischer Informatik-Professor, beschäftigt sich u.a. mit der digitalen Aufbereitung altägyptischer Gräber (zu seiner Website geht es hier). Was er schon für das Grab von Sennedjem erfolgreich gemeistert hat, begann er nun auch für Rechmires Grab: Er "entzerrte" die Wandmalereien des Grabes am Computer an Hand von Fotos, hier ein fertig gestellter Ausschnitt:
Innerer Raum, Südwand: Kleiner Teil der entzerrten Wandgemälde
Ganz links auf der linken Wand sitzt Rechmire zusammen mit Beamten und überwacht die Überbringung, Bereitung und Lagerung der Abgaben für den Tempel. Es wird Getreide abgewogen, Kuchen gebacken und Honig gewonnen. Lebensmittel aus Charga, Punt und dem Nildelta (Wein, Papyrus, Öl, Honig, Nüsse) werden zum Lager geschafft.

Innerer Raum, Südwand: Männer beim Backen und mit Weinkrügen
In der Mitte der linken Wand überwacht Rechmire Juweliere, Handwerker bei der Steinvasen-, Leder- und Kleiderherstellung, Metallarbeiter, Ziegelmacher und Bildhauer.

Innerer Raum, Südwand: Handwerker um einen kleinen See, aus dem Männer
Wasser schöpfen


Innerer Raum, Südwand: Szenen gemalt von Nina de Garis Davies:
Bildhauer (1930), und Teich (1930)


Innerer Raum, Südwand: Szenen gemalt von Nina de Garis Davies:
Ziegelmacher (1930) und Schreiner (1931)
Rechts auf der linken Wand findet die Begräbnisprozession vor den Göttern Osiris und Anubis sowie die Reise nach Abydos statt. Ein Sohn von Rechmire und Merit überwacht die Opferliste.

Innerer Raum, Südwand: Begräbnisprozession vor Osiris und Anubis
Die Stirnseite des inneren Raumes ist mit Opferszenen dekoriert. die Statuennische ganz oben in der Wand ist leer. Darunter befindet sich die Kopie einer Scheintür. Das Original ist im Louvre ausgestellt (Bild weiter oben).
Die Bilder der rechten (nördlichen) Wand des inneren Raums zeigt Riten vor der Statue Rechmires, die auf einem Boot über einen Teich gezogen wird - eine besonders hübsche Darstellung:

Innerer Raum, Nordwand: Garten und Teich mit Boot
Daneben finden zwei Festbankette mit Gästen und Musikanten statt: eins für die Männer der Familie, eins für die Frauen.


Innerer Raum, Nordwand: Musikerinnen und Dienerinnen beim Bankett der
Frauen
Auch die Hieroglyphen an dieser Wand wurden besonders sorgfältig und detailreich ausgeführt:

Rechts auf der rechten Wand kehren Rechmires Boote von einem Besuch bei Amenhotep II. nach Theben zurück und werden von Familienmitgliedern empfangen.


Innerer Raum, Nordwand: Musiker beim Bankett der Männer und Boote
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