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Luxor Westbank - TT290, Grab von Irinefer 
Der Totenkult spielte im Alten Ägypten eine große Rolle, denn der Glaube an ein Weiterleben nach dem Tod war wichtiger Bestandteil der ägyptischen Kultur und Religion. Ursprünglich wurden nur Pharaonen in prunkvoll ausgeschmückten Grabanlagen mit kostbaren Grabbeigaben bestattet, doch im Lauf der Geschichte genossen auch Staatsbeamte dieses Privileg. Irinefer war "Diener an der Stätte der Wahrheit" und arbeitete als Künstler und Baumeister an den Gräbern der Thebanischen Nekropole.

Deir el-Medina, Grab von Irinefer
TT290, das Grab von Irinefer, gehört zu den Gräbern der Adligen in Deir el-Medina in Theben-West und stammt aus der 19. Dynastie aus der ersten Hälfte der Regentschaft Ramses II.. Es liegt am nördlichen Ende des Arbeiterdorfes im westlichen Berghang verborgen. Auf dem Weg zum Hathor-Tempel in Deir el-Medina zweigen Sie vor dem Tempel nach links ab.
Architektur und Dekoration der Gräber in Deir el-Nedina unterscheiden sich sehr von den anderen Privat-Gräbern. Es gab einen kleinen Vorhof, hinter dem eine bis zu 10 Meter hohe steile Pyramide stand. Das eigentliche Grab lag weit dahinter tief im Felsen. In den Gräbern wurden keine Alltagsszenen wie in den Gräbern von Rechmire, Nacht und Menena dargestellt, auch keine Begräbnisprozessionen und Bankette. Stattdessen findet man hier die gleichen Darstellungen aus dem Ägyptischen Totenbuch wie in den Gräbern im Tal der Könige - mit derselben Perfektion ausgeführt.
Das Grab von Irinefer wurde 1922 von dem französischen Archäologen Bernard Bruyere entdeckt. Es ist offensichtlich immer nur dann für Besichtigungen geöffnet, wenn TT1, das Grab von Sennedjem, geschlossen ist. TT290 teilt sich den Vorhof mit TT291, dem nicht öffentlich zugänglichen Grab von Nu und Nachtmin.


Eingang des Grabes von Irinefer

Deir el-Medina, Grab von Irinefer
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Grabkammer:
Vom Hof aus führt eine steile Treppe durch einen in den Fels gehauenen Schacht einige Meter in die Tiefe zur gewölbten Grabkammer von Irinefer und seiner Frau Mehitchati. Dias Grab ist klein, aber von einer überwältigenden Farbenpracht. Da keine störenden Glasscheiben angebracht wurden, kommt sie voll zur Geltung.
Der Durchgang zur Grabkammer ist rechts mit Hieroglyphen, links mit einem liegenden Anubis-Schakal, der nach draußen blickt, verziert. Innen über dem Eingang wacht eine geflügelte grünhäutige Göttin - Nut, wie die Hieroglyphen über ihrem Kopf zeigen.

Nut mit Horus
Das Grab ist nahezu perfekt erhalten und vollständig dekoriert. Die Wände wurden zunächst mit Lehm verkleidet und anschließend verputzt, um eine ideale Oberfläche für die Dekorationen zu bieten. Darauf folgte eine goldgelbe Grundierung, die typisch ist für die Gräber in Deir el-Medina.

Grab von Irinefer: Blick nach Norden
Der Boden des Grabes ist in der südlichen Hälfte erhöht. Hier standen wohl ursprünglich die Sarkophage der Verstorbenen.

Grab von Irinefer: Blick nach Süden
Wir beginnen unseren Rundgang mit der östlichen Wand links vom Eingang. Im unteren Register sehen wir Irinefer zusammen mit dem Benu-Vogel in einem Boot:

Im Register darüber betet das Ehepaar ein weißes Kalb unter Bäumen an:

...gefolgt von Horus mit der Kuhgöttin Hesat, einer Erscheinungsform von Hathor, auf einer Schilfmatte an einem Teich:

Die folgende Szene erstreckt sich über beide Register: Irinefers Eltern huldigen Ptah, während Irinefer selbst ihm eine Statue der Göttin Ma'at opfert.

Eltern von Irinefer
Der hintere Teil der Wand ist wiederum in zwei Register geteilt. Das obere Register wird von einer außergewöhnlichen Szene beherrscht: Sie zeigt den schwarzen Schatten eines Mannes und zwei Ba-Vögel. Einer fliegt, der andere sitzt vor einer schwarzen Sonne.

Ptah, Ba-Vögel und schwarze Sonne
Die Vignette mit 5 Gottheiten und 7 Sternen auf der gegenüberliegenden Wand weist laut David G. Smith auf Spruch 135 aus dem Ägyptischen Totenbuch hin, welcher bislang (Stand: 2007) ausschließlich in den Gräbern von Deir el-Medina gefunden wurde:
"Öffne dich Gewölk, das den Himmel verhüllt,
damit der täglich vollendete Horus bekleidet und wohlbehalten ist,
der mit großer Gestalt und lastender Macht,
der das Gewölk vertreibt mit seinem Gluthauch."
(nach Erik Hornung: Das Totenbuch der alten Ägypter, 1979)

Smith sieht darin eine Vorsichtsmaßnahme von Menschen, die damals mit eigenen Augen das dramatische und sicher verstörende Ereignis einer totalen Sonnenfinsternis erlebt hatten. Eine totale Sonnenfinsternis ist durchschnittlich nur alle 375 Jahre über einem bestimmten Ort sichtbar - mit Hilfe von Computerberechnungen lässt sich eine auf den 27. Juli 1258 v. Chr. datieren. Damit wäre Irinefer zwar kein Zeuge gewesen, aber da er vor seiner Frau starb, liegt der Verdacht nahe, dass sie die Finsternis später erlebte und den Spruch daraufhin als Schutz im gemeinsamen Grab anbringen ließ. Sie ist auch im Grab von Sennedjem zu finden.
Aber zurück zur linken südlichen Seitenwand. Sie zeigt einen Priester mit Anubis-Maske bei der Mumifizierung des Verstorbenen, der auf einem Bett mit Löwenköpfen ruht:

Die anschließende westliche Längswand zeigt im unteren Register Anubis, der Irinefer vor Osiris führt:

Daneben befindet sich eine Darstellung von Irinefer, der Horus in Falkengestalt anbetet. Horus trägt ein Flagellum, das Zeichen von Regeneration und Wiedergeburt, das die Macht verlieh, über den Eintritt ins Jenseits zu entscheiden:

Es folgt die Darstellung eines Schreins, der sich bis hinüber auf die Nordwand erstreckt. Ma'at und Schu sitzen ganz links. Vor Schu stehen die 42 Totenrichter-Götter (Osiris führt als 43. Richter den Vorsitz), von denen jeder über ein bestimmtes Verbrechen richtet. Vor ihnen legt der verstorbene Irinefer das im ägyptischen Totenbuch beschriebene negative Sündenbekenntnis ab: " ... Nicht hab ich bewirkt das Leiden der Menschen, noch meinen Verwandten Zwang und Gewalt angetan. Nicht habe ich das Unrecht an die Stelle des Rechtes gesetzt, noch Verkehrs gepflegt mit dem Bösen. ..." (aus Kapitel 124).
Im oberen Register befindet sich die bereits erwähnte Vignette mit den Sternen. Über dem Schrein mit den Totenrichtern ist eine Leiste mit Schlangen und Federn zu sehen, darüber verschiedene Gottheiten:

Die rechte nördliche Seitenwand zeigt oben links einen Sempriester mit dem Gott Chepri. Die rechte Seite ist weitgehend zerstört. Links unten setzen sich die Darstellungen der Westwand fort mit Irinefer als Abschluss. Rechts in der Mitte steht Irinefer in Anbetung vor Osiris und zwei Torwächtern:

Nordwand
Wir wenden uns der letzten Darstellung im Grab zu, die sich oben auf der kurzen östlichen Wand gleich neben dem Eingang befindet. Wir sehen dort eine Malerei, die sich ganz ähnlich auch in TT3, Pashedus Grab, befindet. Nur ist es hier Irinefer, der im Schatten einer Dattelpalme aus einem Teich trinkt:

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