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Leben in Luxor Autorenforum: Nofretete – Ein Fund zwischen Geschichte und Geschichten

Über Fundumstände, Täuschungen und Besitzansprüche, Zweifel und Hoffnungen

von Claudia Ali, 11.02.26

Meinem Vater gewidmet, der in mir vor langer Zeit die Liebe zu Ägypten geweckt hat

Die Nofretete-Büste im Neuen Museum Berlin
Die Nofretete-Büste im Neuen Museum Berlin

Am 6. Dezember 1912 entdeckte der deutsche Archäologe Ludwig Borchardt im Wüstensand von Amarna in einer Bildhauerwerkstatt eine 47 cm hohe bunte Büste, die im Nu die Herzen der Welt erobern würde. Dies ist ihre turbulente Geschichte – sie hat in den letzten Jahren durch freigegebene Briefwechsel und Akten aus Nachlässen an Brisanz gewonnen.

Inhalt



Die Hauptakteure des Fundes

Nofretete (Nefret-iti, Nefertiti, Nafteta) die schöne Pharaonin

Die Nofretete-Büste im Neuen Museum Berlin, Foto: ReutersNofretete (altägyptisch für „die Schöne ist gekommen“) war Große Königliche Gemahlin von Pharao Echnaton sowie seine gleichberechtigte Mitregentin und Königin in der 18. Dynastie (ca. 1370-1330 v. Chr.) Mit Echnaton lebte sie in der von ihm für den Gott Aton errichteten Stadt Achet-Aton in El-Amarna in der mittelägyptischen Wüste. Um Nofretetes Herkunft und ihr politisches Wirken ranken sich viele sich widersprechende Theorien.

Berühmt wurde Nofretete durch den Fund einer exzellent erhaltenen Büste, die heute im Ägyptischen Museum in Berlin steht und um deren Rückgabe Ägypten seit mehr als 100 Jahren kämpft. Die Büste stammt aus dem Atelier des Oberbildhauers Thutmosis in Amarna, wo sie zwischen 1353 und 1336 v. Chr. aus Kalkstein, bemaltem Stuck, Wachs und Bergkristall gefertigt wurde. Sie gilt als einzigartiges Meisterwerk der altägyptischen Kunst.

Raster der Nofretete-Büste, Screenshot aus der Dokumentation "Das Geheimnis der Büste der Nofretete"Nofretetes fein ausgearbeitetes ebenmäßiges Porträt ist ein Idealbildnis mit nahezu perfekter Symmetrie, dem ein altägyptisches Maß, der sogenannte "Ägyptische Finger" (= 1,875 cm) als Maßeinheit zugrunde liegt. Laut dem Ägyptologen Walther Wolf beruht die enorme ästhetische Wirkung der Büste auf "kühle[r] Anmut mit nervöser Spannung".

Nofretete im Neuen Museum Berlin, Foto: Staatliche Museen Berlin / Achim Kleuker
Nofretete im Neuen Museum Berlin, Foto: Staatliche Museen Berlin / Achim Kleuker

James Simon, der großzügige Finanzier

James Simon, © Staatliche Museen zu BerlinJames Simon (1851–1932), einer der bedeutendsten Kunstmäzene seiner Zeit, gründete zahlreiche wohltätige Einrichtungen, förderte die Berliner Museen und war die treibende Kraft hinter der Deutschen Orient-Gesellschaft. Ab 1911 finanzierte Simon die Grabungen von Ludwig Borchardt in Amarna. Den Vertrag schloss er als Privatperson mit der ägyptischen Regierung ab und erhielt daher den deutschen Anteil an den Fundstücken.

Gustave Lefebvre, der nachlässige Inspektor

Gustave LefebvreGustave Lefebvre (1879–1957) war ein französischer Ägyptologe und Altphilologe. Er beschäftigte sich vor allem mit Manuskripten und Inschriften. 1902 ging er nach Ägypten, wo er 1905 von der Altertümerverwaltung zum Inspektor für Mittelägypten mit Sitz in Assiut ernannt wurde, ein Posten, auf dem er der britischen Kolonialmacht und der von Frankreich geführten Altertümer-Behörde unterstand. In dieser Funktion war er 1912 damit beauftragt, die Verteilung der Amarna-Funde mit der deutschen Seite = Borchardt zu verhandeln.

Ludwig Borchardt, der trickreiche Fälscher

Ludwig Borchardt1899 wurde der deutsche Ägyptologe Ludwig Borchardt (1863–1938) zum wissenschaftlichen Attaché ohne diplomatischen Status am deutschen Generalkonsulat in Kairo ernannt – Deutschland wollte das Feld der Ägyptologie nicht mehr allein den Engländern und Franzosen überlassen. Er sollte altägyptische Raritäten erwerben, durch die die Berliner Museen ebenso berühmt werden würden wie der Louvre oder das British Museum.



Die Büste der Nofretete in Amarna – Fund und Fundteilung

Um seiner Aufgabe gerecht zu werden, gründete Borchardt 1906 das Kaiserlich Deutsche Institut für Ägyptische Altertumskunde in Kairo, zu dessen Direktor er 1907 berufen wurde. Von 1907 bis 1914 war er zudem für die Deutsche Orient-Gesellschaft (DOG) als Ausgrabungsleiter tätig.

1905(06 waren auf dem ägyptischen Antiquitätenmarkt außergewöhnlich schöne Skulpturen aufgetaucht, die nur aus Raubgrabungen stammen konnten, die in Amarna, der verschwundenen Stadt Echnatons, durchgeführt worden waren. Borchardt beeilte sich, die Grabungskonzession für Berlin zu sichern und James Simon, der ab 1911 jede Grabungskampagne in Amarna im Auftrag der DOG mit 30.000 Mark finanzierte, erklärte sich bereit, den Grabungserlaubnisschein auf sich persönlich ausstellen zu lassen, was gewisse politische Vorteile hatte. 1907 fand eine erste Versuchsgrabung statt. Die Ausgräber legten in Amarna mehrere kleine und große Hauskomplexe frei.

Originaleintrag aus Borchardts GrabungstagebuchBereits die erste Grabungskampagne im Winter 1911/12 brachte spektakuläre Funde, doch sie sollte von der dritten, die vom 24. November 1912 bis zum 16. März 1913 dauerte, noch bei weitem übertroffen werden. Ende 1912 entdeckten Borchardts Mitarbeiter, er selbst war in Kairo, das Atelier des Oberbildhauers Thutmosis und stießen auf 26 beeindruckend realistische Skulpturen in unterschiedlichen Stadien der Fertigstellung. Eines der großartigsten Fundstücke war eine Echnaton-Büste. Borchardt eilte sofort nach Amarna, wo am 6. Dezember 1912 in seinem Beisein im Raum 19 von Haus P.47.2 die berühmte bunte Büste der Nofretete aus dem Wüstensand gehoben wurde. In seinem Grabungstagebuch schrieb Borchardt daraufhin: "Wir hatten das lebensvollste ägyptische Kunstwerk in Händen." und: "Farben wie eben aufgelegt. Arbeit ganz hervorragend. Beschreiben nützt nichts, ansehen."
Originaleintrag aus Borchardts Grabungstagebuch mit einer kleinen Zeichnung, 6./7.12.1912

Am 6. und 7. Dezember durften wir die Modellkammer des Oberbildhauers Thutmes endlich nach dreitausendjähriger Unordnung wieder einmal aufräumen. Wenn ich diesen Fund hier so schildern wollte, wie er vor sich ging, mit seinem Durcheinander, seinen Überraschungen, seinen Hoffnungen und auch kleinen Enttäuschungen, so würde der Leser wohl eben so konfuse davon werden, wie wir es damals waren, die wir in der Modellkammer protokollierten und kaum den einen Fund zu Papier bringen konnten, ehe nicht zwei andere Stücke schon wieder zur Vermessung und Aufnahme frei lagen.

Ludwig Borchardt: Ausgrabungen in Tell el-Amarna 1912/13

Das Haus des Bildhauers Thutmosis in Amarna
Das Haus des Bildhauers Thutmosis in Amarna, aus: Ludwig Borchardt: Ausgrabungen in Tell el-Amarna 1912/13

Nofretete-Büste unmittelbar nach ihrer Entdeckung 1912
Die Nofretete-Büste unmittelbar nach ihrer Entdeckung 1912 mit Borchardts Assistenten Hermann Ranke (li.), dem Architekten Paul Hollander und einem ägyptischer Arbeiter. Beide Ohren der Büste waren leicht bestoßen und die Einlage des linken Auges fehlte.

Seit 1882 stand Ägypten unter britischer Kontrolle, wobei die Franzosen das Antikenministerium leiteten. Die Kolonialmächte hatten Ägypten das Prinzip der Fundteilung ("partage à moitié exacte") aufgezwungen. Das bedeutete: Ausgrabungsfunde gingen zur Hälfte an Ägypten und zur Hälfte an das jeweilige Ausgrabungsland. Borchardt teilte also seine Amarna-Funde in zwei Teile. In der einen Hälfte der Kisten befand sich ein Klappaltar mit Echnaton und Familie, von dem Borchardt wusste, dass Ägypten ihn unbedingt haben wollte, und in der anderen Hälfte die Nofretete-Büste.

Paul Hollander: Erstes Foto der Nofretete-Büste, Grabungshaus Tell el-Amarna, 23.12.1912
Paul Hollander: Erstes Foto der Nofretete-Büste, Grabungshaus Tell el-Amarna, 23.12.1912

Dennoch: Niemand in Borchardts Team hegte die geringste Hoffnung, die Büste behalten zu können. Der Privatgelehrte und Schriftführer der Deutschen Orient-Gesellschaft Bruno Güterbock (1858-1940) war ein Augenzeuge der Geschehnisse in Amarna und schrieb am 12.08.1924 an Günther Roeder, den Direktor des Pelizaeus-Museums in Hildesheim, einen streng vertraulichen Brief, der jedoch am 15. Mai 2011 im Berliner Kurier geleakt wurde:

Sie können sich denken, dass wir alle äußerst geringe Hoffnung hatten, das herrliche Stück nicht nach Kairo wandern zu sehen. So geringe, dass am Abend vor Lefebvre's Ankunft sämtliche Insassen des Grabungshauses in feierlichem Zuge, jeder mit einer Kerze in der Hand, ins Magazin wallfahrten, um, wie wir nicht anders erwarteten, Abschied von der "bunten Königin" zu nehmen. Borchardt hat dann aber die Verhandlungen so geschickt geführt, daß sie dennoch auf deutsche Seite kam.

Bruno Güterbock im Brief an Günther Roeder, 12.08.1924

Borchardt wollte seinen Sensationsfund geheim halten. Als der dennoch in der Presse durchsickerte, wurde er ausgesprochen wütend und drängte auf eine rasche Fundteilung, und zwar in Amarna, bevor die Büste auch noch die Aufmerksamkeit der ägyptischen Altertümerbehörde erhalten würde. Eigentlich sah das Altertümergesetz Nr. 14 aus dem Jahr 1912 vor, dass eine Fundteilung im Ägyptischen Museum in Kairo zu erfolgen hatte.

Borchardt war erfolgreich. Normalerweise fand eine Teilung am Ende einer Grabungssaison statt, doch für diese spezielle reiste Inspektor Gustave Lefebvre im Auftrag des damaligen Direktors des ägyptischen Antikendienstes und des Ägyptischen Museums in Kairo Gaston Maspero bereits am 20. Januar 1913 an – zwei Monate vor Abschluss der Arbeiten. Was Borchardt zu Gute kam: Der Papyrus-Spezialist Lefebvre hatte äußerst limitiertes Wissen über Skulpturen.

Borchardt war gut auf Lefebvres Besuch vorbereitet und zeigte ihm nur ein unvorteilhaftes Schwarz-Weiß-Foto, nicht die Büste selbst. Im Grabungsbericht über die Kampagne sah man nur ein kleines Foto mit nahezu unkenntlichem Ausschnitt vom Gesicht. Da Lefebvre wie zu der Zeit üblich entschieden hatte, Berlin alle Gips-Artefakte zuzugestehen, hatte Borchardt die Kiste mit der Nofretete-Büste gegen besseres Wissen zu den Gips-Modellen gestellt – die Nofretete hat einen Kalksteinkern, der nur mit dünnem Gips überzogen ist, was Borchardt laut Grabungstagebuch wusste.

Nun hat sich aber B. (wohl durch sein geringes Vertrauen zum Erfolg seines Versuchs, die Büste für uns zu ‘retten’) zu übergroßer Vorsicht (um es so zu nennen) bei der Abfassung des Protokolls verleiten lassen. Dort ist nämlich, wie Sie sehen, Gyps als Material angegeben. Meine sofort geäußerten Bedenken schob er mit der Begründung bei Seite, der Stucküberzug unter der Bemalung, der ja an einigen Stellen, wo die Farbe abgebröckelt oder die Büste bestoßen ist, zum Vorscheine kommt, rechtfertige die ‘vorläufige’ Annahme, dass das Stück durchweg aus Stuck oder Gyps sei, namentlich bei oberflächlicher Betrachtung; eingehendere Untersuchung werde zunächst am Grabungsort widerraten durch die Besorgnis, die Farben zu verletzen; sie könne mit gutem Gewissen erst in Berlin vorgenommen werden, und wenn sich dann herausstelle, dass die Büste aus Kalkstein mit Stucküberzug bestehe, nun, dann habe er sich eben anfänglich geirrt. Damals sprach wohl noch ein besonderer Grund für die Vermogelung des Materials mit: die im Protokoll unter Nr. 3 aufgeführten Kunstwerke aus der Bildhauerwerkstätte des Thutmosis wurden nach den Gesichtspunkten hie Gips, hie Stein auf die beiden Seiten verteilt. Nachdem man entschieden hatte, die Steinsachen sollten nach Kairo kommen, die Gypssachen nach Berlin, meinte er wohl auf diese Weise ein weiteres Argument durch eine Art von Analogieschluss zu gewinnen, um Lefebvre’s Wahl auf den Klappaltar zu lenken.

Bruno Güterbock im Brief an Günther Roeder, 12.08.1924

Der nachlässige Inspektor, der zu späteren Fundteilungen nicht einmal mehr persönlich auftauchte, sondern nur vom Schreibtisch aus anhand von Fotos urteilte, warf keinen Blick in die bereitgestellten Kisten. Dass ihn Borchardt vor der Teilung "großzügig" mit französischem Wein und Essen verwöhnt hatte, schärfte sicherlich auch nicht eben den Verstand des Inspektors.

Der Hergang der Teilung geschah, der üblichen Gepflogenheit gemäß, in der Weise, daß man sich zunächst um den großen Tisch im Arbeitszimmer des Grabungshauses zusammen setzte und dort Photographien sämtlicher Funde von Hand zu Hand gehen ließ; nachdem man sich an deren Hand im Allgemeinen über die ungefähre Gleichwertigkeit der in der linken und der rechten Kolumne verzeichneten Stücke geeinigt hatte, wurde dann der Kommissar in das Magazin geführt, wo die Originale bereits in Kisten verpackt lagen, jedoch offen, ohne Deckel. Wenn er gewollt hätte, hätte er jedes einzelne Fundstück, das er etwa genauerer Prüfung unterziehen wollte, herausnehmen lassen können. Unterzeichnet wurde das Protokoll erst nach dieser, wenn auch oberflächlichen Besichtigung der Originale. Daß diese schon in den - wie gesagt offenen - Kisten lagen, war gerechtfertigt, da die Grabung beendet war und L's Besuch sich verzögert hatte. Zu Ihrer  p e r s ö n l i c h e n  Kenntnisnahme und zur Entschuldigung Lefebvre's muß ich allerdings sagen, dass er nicht eben die vorteilhafteste Photographie vorgelegt erhielt und das Original nicht gerade in bester Beleuchtung zu sehen bekam. Aber ich meine, kein Ausgräber ist doch wohl verpflichtet, den Kommissar auf die Schönheit seiner Funde geradezu zu stoßen.

Bruno Güterbock im Brief an Günther Roeder, 12.08.1924

Borchardts Betrug während der Fundteilung wurde erst 1947 durch den Journalisten Ernst Feder (1881-1964) in einem Artikel in der Basler National-Zeitung Nr. 45, Abendausgabe vom 28. Januar 1947, aufgedeckt.

Doch damit nicht genug. Um ganz sicher zu sein, drehte Borchardt den Ägyptern wie gesagt als gleichwertiges Gegenstück für die Büste einen bunten Klappaltar an, eine Stele, die laut Grabungstagebuch am 11. Januar 1913 völlig isoliert außerhalb eines Hauses in nur 20 cm tiefem Schutt gefunden worden war. Seitdem befindet sie sich im Ägyptischen Museum Kairo unter der Inventarnummer JE 44865. Auf dem Kalkstein-Relief ist Nofretete mit ihrem Gemahl Echnaton und drei ihrer Töchter zu sehen.

Es war jedenfalls ein sehr kluger Schachzug, daß Borchardt als zweitschönstes Fundstück den "Klappaltar" der Königinbüste gegenüber auf die Teilungsliste setzte. So konnte er das ihm bekannte große Interesse Masperos für die Klasse von Darstellungen, zu der das Familienbild auf diesem Altärchen gehört, und die im Museum von Kairo noch nicht durch ein so gutes Exemplar wie das Berliner vertreten war, als Argument in die Wagschale werfen. [s.o....] Nachdem man da entschieden hatte, die Steinsachen sollten nach Kairo kommen, die Gypssachen nach Berlin, meinte er wohl auf diese Weise ein weiteres Argument durch eine Art von Analogieschluß zu gewinnen, um Lefebvre's Wahl auf den Klappaltar zu lenken.

Bruno Güterbock im Brief an Günther Roeder, 12.08.1924

2009 publizierte Rolf Krauss, deutscher Ägyptologe und einer der weltweit besten Kenner der Amarna-Zeit, bis 2001 Mitarbeiter des Ägyptischen Museums Berlin und anschließend bis zu seiner Pensionierung 2007 am Berliner Museum für Vor- und Frühgeschichte. dass der Klappaltar, den Borchardt während der Fundteilungsprozedur dem ägyptischen Inspektor anstelle der Nofretete-Büste angeboten hatte, eine Fälschung sei und gab dafür neun Gründe an. Krauss hatte 1985 die Gelegenheit gehabt, die Büste zu untersuchen, aber aus Loyalität zu seinem Berliner Arbeitgeber so lange geschwiegen.

Ein der Stele verdächtig ähnliches Exemplar befand sich bereits zu Borchardts Zeit im Ägyptischen Museum in Berlin (Inventarnummer Berlin 14145). Krauss geht davon aus, dass Borchardt die Fälschung anhand dieser Vorlage selbst anfertigen ließ.

Die beiden Amarna-Stelen: links in Berlin und rechts in Kairo, Egyptian Museum
Die beiden Amarna-Stelen: links in Berlin und rechts in Kairo, Fotos: Egyptian Museum – Krauss bezeichnet letztere als hässliche Karikatur einer Amarna-Familie

Während der damalige Direktor des Berliner Ägyptischen Museums Dietrich Wildung wenig überraschend den Fälschungsvorwurf zurückwies, teilte Christian E. Loeben vom Museum August Kestner in Hannover die Auffassung von Krauss und bezeichnete „das Relief als ein Pasticcio, ein in betrügerischer Absicht gefertigten Stil-Mischmasch“.

Ein Fälschungsvorwurf gegen Borchardt kam nicht von ungefähr. In seiner Studienzeit fälschte er eine Keilschrifttafel, um seine Kollegen aus der Assyriologie in die Irre zu führen und als Attaché beim deutschen Generalkonsulat in Kairo die Stele Berlin 15699, um seinen Freund Kurt Sethe im Ägyptischen Museum in Berlin zu täuschen. Dies tat er nicht wegen des materiellen Gewinns, sondern aus purem Vergnügen. Später gab er tatsächlich selbst "Kopien" in Auftrag, um die Methoden der Kairoer Fälscherwerkstätten kennenzulernen.

Ebenfalls 2009 erhob der renommierte französische Kunsthistoriker Henri Stierlin (1928-2022) den Vorwurf, Borchardt habe die Nofretete-Büste zu Studienzwecken vor Ort gefälscht, es habe nie ein Nofretete-Original gegeben. Dazu später mehr.

Doch von all dem ahnte 1913 niemand etwas und so kam es, dass die Nofretete-Büste am 20. Januar 1913 offiziell Deutschland zugesprochen wurde.

"Nofretete oder das Schicksal der ägyptischen schönen Helena": "Die Entführung" und "Die Huldigung der Greise im Alten Museum Berlin", in: Kladderadatsch, 27.04.1930
"Nofretete oder das Schicksal der ägyptischen schönen Helena": "Die Entführung" und "Die Huldigung der Greise im Alten Museum Berlin", in: Kladderadatsch, 27.04.1930



Die Büste der Nofretete in Berlin – Altägypten trifft deutschen Zeitgeist. Und eine Odyssee beginnt.

Borchardt wollte die Existenz der Nofretete-Büste aus gutem Grund geheim gehalten. Er schickte sie daher direkt an James Simon, den jüdischen Mäzen, der seine Ausgrabungen im Auftrag der Deutschen Orient-Gesellschaft (DOG) finanziert hatte und dem daher die Funde gehörten. In dessen Berliner Villa stand sie bis Oktober/November 1913, dann übergab er sie als Dauerleihgabe an das 1855 gegründete Ägyptische Museum Berlin, wo sie die Inventarnummer ÄM 21300 erhielt. Von November 1913 bis Februar 1914 wurden dort alle Amarna-Funde der Grabungssaison ausgestellt, selbst die Ägypten zugesprochenen Artefakte waren als Leihgabe nach Berlin geschickt worden – nicht jedoch die Nofretete.

Nofretete auf dem Kaminsims zu Hause bei James Simon 1913
Nofretete auf dem Kaminsims zu Hause bei James Simon 1913

Kurz vor Kriegsende im Jahre 1918 entschloss sich die DOG gemeinsam mit dem Museum dazu, die bisher der Öffentlichkeit vorenthaltenen Stücke der Amarna-Grabungen einschließlich der Nofretete-Büste für die Ausstellung im Museum vorzubereiten – bisher hatte man Platznot vorgeschützt. Borchardt wandte sich mit Entschiedenheit gegen den Entschluss und ging sogar so weit, unverzüglich beim Reichskanzler Graf Hertling persönlich zu intervenieren, um eine Ausstellung zu verhindern. Er fand Gehör.

Simon ließ von der Berliner Gipsformerei eine Kopie der 20 kg schweren Kalkstein-Büste für sich anfertigen und schenkte am 07.07.1920 das Original dem Berliner Museum mit der Auflage, sie an Ägypten zurückzugeben, sobald Ägypten die Rückgabe verlangte. Die Büste blieb weiterhin ungesehen und wurde bis 1923 in ihrer Transportbox im Museum verwahrt. Zwischenzeitlich fertigte die Berliner Gipsformerei unter der Formnummer 539 zwischen Mai 1921 und Ende 1922 75 weitere Kopien der Büste an, die diese mit unbekanntem Ziel verließen – man fragt sich, woher all diese Käufer vor Nofretetes erster Ausstellung und trotz Borchardts Geheimhaltungspolitik von der Büste wissen konnten. Der war übrigens schon über die beiden ersten Kopien kein bisschen erfreut: „Schubert erzählt mir, dass die Königin schon abgeformt worden sei, vermuthlich, um wieder eine Nachbildung an S.M. zu verschenken. Muss das sein? Dann darf aber auch niemand von Ihnen schreien, wenn wir eines nicht zu fernen Tages kein anständiges Stück mehr [aus Ägypten heraus] bekommen.“, schrieb er am 08.05.1913 an Güterbock.

In der Gipsformerei der Staatlichen Museen Berlin, 1930, Foto: Fritz Zielesch
Ein Mitarbeiter der Berliner Gipsformerei bearbeitet Kopien der Nofretete-Büste, 1930, Foto: Fritz Zielesch

Erste Rückgabeforderungen

Von 1914 bis 1936 war der französische Ägyptologe Pierre Lacau (1873-1963) Nachfolger von Maspero als Generaldirektor der Ägyptischen Antikenverwaltung und des Ägyptischen Museums in Kairo. Lacau trat sein Amt in Kairo erst nach dem Krieg 1918 an und änderte sofort die Bedingungen für Fundteilungen. Künftig sollten alle einzigartigen Stücke in Ägypten bleiben, der verschmerzbare Rest sollte an die ausländischen Ausgräber gehen. Außerdem gewährte Lacau Grabungskonzessionen nun nur noch öffentlichen Institutionen. 1922 überwachte er die Ausgrabungen von Tutanchamuns Grab und legte sich mit Carter und Carnarvon an, die die Vermarktung des Grabes und seine Schätze für sich behalten wollten.

Abbildung der Nofretete-Büste, aus: Ludwig Borchardt: Porträts der Königin Nofret-ete aus den Grabungen 1912/13 in Tell el-AmarnaAbbildung der Nofretete-Büste, aus: Ludwig Borchardt: Porträts der Königin Nofret-ete aus den Grabungen 1912/13 in Tell el-Amarna
Abbildungen der Nofretete-Büste, aus: Ludwig Borchardt: Porträts der Königin Nofret-ete aus den Grabungen 1912/13 in Tell el-Amarna

Das erste von Borchardt veröffentlichte Foto der NofreteteBorchardt, der die Nofretete-Büste im 1913 erschienenen Bericht für die DOG nur mit einem Nebensatz erwähnt und auf einem Foto nur einen kleinen Teil der Büste im Profil gezeigt hatte (s. Foto links), erzwang von allen Beteiligten absolute Geheimhaltung. Die konnte er aber nicht konsequent durchsetzen. 1922 erschien ein Bändchen mit Zeichnungen von Amarna-Motiven einschließlich der Nofretete, und 1923 veröffentlichte sein beim Fund anwesender Kollege Hermann Ranke zwei Schwarz-Weiß-Ansichten der Büste in einem Buch über ägyptische Kunstgeschichte. Wodurch sich Borchardt gezwungen sah, nun seinerseits das Schweigen zu brechen. Seine Schrift "Porträts der Königin Nofretete" erschien Anfang 1924, kurz bevor Nofretete im März 1924 erstmals gegen seinen ausdrücklichen Wunsch im Rahmen der Berliner Tell-el-Amarna-Ausstellung auf der Museumsinsel öffentlich gezeigt wurde. In seinem Porträt schwärmte er: "Es tut ja aber auch nichts zur Sache, ob dies unfertige Porträt noch verfeinert worden wäre oder nicht, jedenfalls ist das fertige bunte Porträt das feinste und durchgearbeitetste, das ich kenne. Alle Einzelheiten an ihm gehen so zusammen, daß man das Leben unter seiner fein gespannten Haut zu sehen glaubt, namentlich zu Zeiten, in denen etwa noch ein Lichtschein im Auge den Blick lebendig macht."

Das erste von Borchardt veröffentlichte Foto der Nofretete, aus: Ausgrabungen in Tell el-Amarna 1912/13

Zeichnung von Clara iSemens, aus: König Echnaton in el-Amarna, 1922
Zeichnung von Clara Siemens, aus: König Echnaton in el-Amarna, 1922

Mit einer derart späten Veröffentlichung hatte Borchardt laut Ashraf El-Ashmawi, Richter des Berufungsgerichts und ehemaliger Rechtsberater des Ägyptischen Staatsministeriums für Altertümer, erneut gegen damals geltendes ägyptisches Recht verstoßen, das für eine Veröffentlichung von archäologischen Funden eine maximale Frist von 5 Jahren gewährte.

Gegen Borchardts ausdrücklichen Wunsch fand also Nofretetes erste öffentliche Präsentation am 1. April 1924 im Rahmen der Neupräsentation der Tell-el-Amarna-Sammlung im Neuen Museum Berlin statt. Die Büste avancierte sofort zum Kultobjekt. Und es kam, wie es kommen musste. Borchardts Befürchtungen wurden wahr.

Die Nofretete-Büste im eigens geschaffenen Amarna-Hof des Neuen Museum Berlin 1924
Die Nofretete-Büste im eigens geschaffenen Amarna-Hof des Neuen Museum Berlin 1924

Nofretete-Büste im neu geschaffenen Amarna-Hof des Neuen Museum Berlin
Die Nofretete-Büste im eigens geschaffenen Amarna-Hof des Neuen Museum Berlin 1924, akg-images / picture alliance

Als Lacau 1924 ein Foto der Nofretete-Büste unter die Augen kam, waren ihm sofort zwei Dinge klar: Zum einen hätte dieses Werk Ägypten nie verlassen dürfen und zum anderen waren Büste und Klappaltar keinesfalls als gleichwertig anzusehen. Sofort forderte er Nofretete im Namen der ägyptischen Regierung zurück und begründete seine Forderung zunächst höflich mit einem Missverständnis während der Fundteilung. Das Museum verweigerte die Kooperation, Lacau zog daraufhin die Grabungs-Konzessionen der Deutschen Orient-Gesellschaft und der Berliner Museen offiziell zurück, setzte dies aber Statue des Ranefer im Ägyptischen Museum Kairozunächst nicht um, sondern sorgte nur dafür, dass etwaige Funde das Land nicht verließen. Als es weiterhin kein Entgegenkommen von Seiten des Berliner Museums gab, drohte er 1925, generell deutsche Ausgrabungen in Ägypten zu verbieten. 1929 kam er nach Berlin und bot dem Museum einen Austausch der Nofretete gegen zwei sehr viel hochwertigere Statuen aus Kairo an: eine exquisite Statue des Ranofer aus dem Alten Reich und die eines sitzenden Schreibers aus dem Neuen Reich. Die Museumsleitung – in freudiger Erwartung besserer Kunstgegenstände – akzeptierte und alle involvierten Ägyptologen waren begeistert.
Statue des Ranofer im Ägyptischen Museum Kairo, Foto: Archivio fotografico del Museo Egizio, Turino

Berliner Illustrirte [sic] Zeitung vom 20. April 1930
Für die Berliner Illustrirte [sic] Zeitung vom 20. April 1930 ist der Austausch bereits beschlossene Sache.

Die deutsche Öffentlichkeit, deren Interesse am alten Ägypten bereits durch die Entdeckung des Grabes von Tutanchamun im Tal der Könige im Jahr 1922 geweckt worden war, strömte nun erst recht in das Berliner Museum, um Nofretete zu sehen. Sie passte perfekt zum Zeitgeist, zum Art-Déco-Stil, der für den westlichen Glamour und Wohlstand der Nachkriegszeit stand. Dass die Büste das Werk eines Bildhauers war, der Tausende von Jahren zuvor in Afrika gelebt hatte, wurde dabei komplett ausgeblendet. Nofretete wurde als eigenes Kulturerbe vereinnahmt und zu einem Symbol deutscher Identität erhoben. Deutschland hatte 1918 seinen Kaiser verloren, doch nun hatte es eine Königin gewonnen.

Als Kultobjekt fungierte nicht nur die Büste der Nofretete selbst, auch Abbildungen der Königin hatten einen hohen ideellen Wert. Rainer Maria Rilke (1875-1926), der von der Büste der Königin tief beeindruckt war, er bezeichnete sie als ein "bezauberndes Beispiel der erblühten Schönheit jener rätselhaften kurzen Epoche", war selbst von Fotos der Skulptur derart entzückt, dass er einer Freundin empfahl, "eine Fotografie von Nofretete eine Weile ins Stübli zu stellen, um dieser von ihr ausgehenden Inspiration teilhaftig zu werden".

Foto der Nofretete-Büste aus den 1930er Jahren
Foto der Nofretete-Büste aus den 1930er Jahren, Fotograf unbekannt

Die Verehrung der Berliner nahm in den Monaten, als die Rückgabe der Nofretete bevorzustehen schien, sogar kultische Züge an: Im Museum wurden vor dem Sockel der Büste Blumen abgelegt.

Der Kunsthistoriker Julius Meier-Graefe wunderte sich in der Monatsschrift "Kunst und Künstler" 1930: "Da brach plötzlich der Sturm aus. Leute, die sich nie um Ägypten gekümmert hatten, ereiferten sich jählings, baten, beschworen den Minister, drohten dem Direktor. Man konnte glauben, es handle sich um Richard Wagner oder Böcklin oder noch was Höheres: unsere Königin." Außerdem schrieb er: "Die Büste der Königin verdankt ihre Beliebtheit bei einem naiven Publikum ihrem Anstrich." Und das „Königsberger Tageblatt“ schloss am 1. Juli 1930 einen umfassenden Beitrag mit den Worten: „Der Zauber der lieblichen Nofretete scheint ein dämonischer zu sein. Völker entzweien sich um diese Statuette.“

Als Nofretete 1930 an Ägypten zurückgegeben werden soll, werden Replikas angefertigt
Als Nofretete 1930 an Ägypten zurückgegeben werden soll, werden Replikate angefertigt, Foto: Felix H. Man, Ullstein Bild

Auch Simon setzte sich für die Rückgabe der Nofretete ein und (mündlich) ebenfalls der zuständige deutsche Minister Adolf Grimme. Doch 1930 entschieden sich sowohl der dem Museumsleiter vorgesetzte Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin als auch dieser Minister gegen die Rückgabe – es hatte einen Aufschrei in der Presse und in der deutschen Bevölkerung gegeben. Daran konnte auch ein von Simon am 28.06.1930 im Berliner Tageblatt publizierter offener Brief an den Minister nichts ändern. Da sein Textilhandelsimperium 1927 Insolvenz angemeldet hatte und er Jude war im zunehmend antisemitischen Deutschland, hatten weder das 1920 von ihm dem Berliner Museum abverlangte Versprechen, die Büste auf Wunsch Ägyptens zurückzugeben, noch sein öffentlicher Einsatz irgendein Gewicht. Die Verhandlungen waren gescheitert, der Austausch kam nicht zustande.

Offener Brief Simons Antwort des Ministers
Brief Simons und die Antwort des Ministers

1933 setzte sich der deutsche Botschafter in Kairo, Eberhard von Stohrer, für die Restitution der Nofretete ein. Er gewann den deutschen Außenminister dafür, die Büste zum Jahrestag des Regierungsantritts von König Fu'ad I. am 10. Oktober 1933 zurückzugeben. Der Reichsluftfahrtminister und preußische Ministerpräsident Hermann Göring willigte ebenfalls ein, vorbehaltlich einer Zustimmung des Reichskanzlers Adolf Hitler. Stohrer übermittelte dem König die frohe Botschaft an seinem Jubiläumstag – und musste sie bereits am Abend wieder zurücknehmen, denn der Reichskanzler hatte seine Zustimmung verweigert.

Stohrer gab nicht auf. Nach weiteren erfolglosen Bemühungen erwirkte er schließlich im März 1934 eine Audienz bei Hitler um ihm, unterstützt durch befreundete Ägyptologen, einen Austausch mit höherwertigen ägyptischen Kunstwerken schmackhaft zu machen. Doch der Reichskanzler entgegnete: "Oh, diese Ägyptologen und diese Professoren! Ich lege keinen Wert auf ihre Einschätzungen. Ich kenne diese berühmte Büste, Ich habe sie viele Male betrachtet und bewundert. Ich bin jedes Mal mehr erstaunt. Es ist ein Meisterwerk, ein Juwel, ein wahrer Schatz. Wissen Sie, was ich eines Tages tun werde? Ich werde ein neues ägyptisches Museum in Berlin bauen; ich träume davon, dort einen Raum einzurichten, der von einer Kuppel gekrönt ist, in dem in der Mitte nur dieses Wunder stehen wird. Und aus diesem Grund werde ich den Kopf der Königin nicht aufgeben."

Olaf Gulbransson: Heimkehr der verlorenen Tochter.
Olaf Gulbransson: Heimkehr der verlorenen Tochter. "Wie geschminkt die Nefretete [sic] aussieht! Man merkt, daß sie solange in Berlin gewesen ist!", Lithografie 1930, aus: Simplicissimus  Jg. 35, Heft 6 vom 5. Mai 1930. Gulbransson nimmt in seiner Karikatur die Verlagerung der Büste der Nofretete von Berlin ins Museum nach Kairo vorweg, die 1930 kurz bevorzustehen scheint.  Dort passiert sie als Besucherin eine Aufstellung von Statuen, die altägyptisch anmuten sollen. 

Zu dem Museumsbau kam es damals nicht. Stattdessen wurde die Schöne in Kiste Nr. 28 während des Zweiten Weltkrieges aus Sicherheitsgründen mehrfach umgezogen: im September 1939 in die Preußische Staatsbank am Gendarmenmarkt in Berlin, im Oktober 1941 in den Geschützturm des Flakbunkers am Berliner Zoo und schließlich im März 1945 in das 375 km entfernte Salz- und Kalibergwerk Kaiserroda bei Merkers in Thüringen. Dort wurde sie zusammen mit anderen Kunstschätzen der Berliner Museen und dem riesigen Goldschatz der Nationalsozialisten von den amerikanischen Besatzungstruppen am 8. April 1945, also kurz vor Ende des Krieges, entdeckt. Robert M. Edsel beschrieb in seinem Buch "The Monuments Men“ (2009) deren Inspektion: "Langsam wurde Posey und Kirstein klar, wie viel in den Merkers-Minen versteckt war. In Kisten verpackte Skulpturen, hastig verpackt, mit Fotos aus Museumskatalogen, um zu zeigen, was sich darin befand. Alte ägyptische Papyri in Metallkisten, die durch das Salz in der Mine die Konsistenz von nassem Karton angenommen hatten."

Am Morgen des 17. April 1945 brachte ein Konvoi bestehend aus 26 Zehn-Tonnen-LKWs mit einer umfangreichen militärischen Eskorte samt Luftunterstützung die Kunstschätze in das Reichsbankgebäude in Frankfurt.

Statue von Amenemhet II. (1877-1842 v. Chr.) in der Ruine des Neuen Museums Berlin am 17.11.1949Randbemerkung: Bei alliierten Luftangriffen am 22./23. November 1943 brannte das zentrale Treppenhaus des Berliner Museums aus. Im Februar 1945 zerstörten Bomben den Nordwest-Flügel sowie den Übergang zum Alten Museum und beschädigten den Südwest-Flügel sowie den Südostrisalit. Ende April 1945 kam es zu weiteren Zerstörungen. Nur die Statue von Amenemhet II. im von einem doppelten Glasdach bedeckten Ägyptischen Hof überlebte! Die Ruine des Museums blieb über 40 Jahre stehen, bis es ab 1986 wieder aufgebaut wurde. Die Statue ging im August 2011 als Leihgabe an das Metropolitan Museum of Art (MET) in New York. Eigentlich für maximal 10 Jahre. Aber dort ist sie – mehr als 14 Jahre später – noch immer ...
Foto: Statue von Amenemhet II. (1877-1842 v. Chr.) in der Ruine des Neuen Museums Berlin am 17.11.1949, Bundesarchiv Bild 183-S89884

Die "Monuments Men"

Nachdem der Zweite Weltkrieg am 8. Mai 1945 geendet hatte, kam es zu einem innerdeutschen Konflikt um die Besitzansprüche der Nofretete-Büste. Berlin war nun in eine amerikanische und eine sowjetische Besatzungszone geteilt, und Nofretete hatte sich vor dem Krieg zusammen mit den anderen Amarna-Funden im Osten der Stadt befunden.

Die Rückkehr von Kunst- und Kulturgütern erfolgte eigentlich nach dem Provenienzprinzip. Die amerikanische Armee hatte jedoch in Wiesbaden einen Central Art Collecting Point (WCCP) eingerichtet, wo eine Spezialeinheit amerikanischer Kunstschutzoffiziere aus meist kunstaffinen Berufen, die "Monuments Men“ und "Monuments Women“, damit betraut waren, kulturelle Schätze und Naziraubkunst im zerstörten Nachkriegsdeutschland aufzuspüren, zu katalogisieren, zu schützen und an die rechtmäßigen Besitzer zurückzugeben – und sie nicht etwa als Reparationsleistungen in die USA abzutransportieren wie dies die sowjetischen Besatzer praktizierten.

Lindsay mit der Büste der Nofretete in Wiesbaden 1945Die Amerikaner verweigerten die Rückgabe der Nofretete nach Berlin und brachten sie am 20.08.1945 nach Wiesbaden. Der Kunsthistoriker und Professor Sergeant Kenneth Clement Lindsay (1919-2009) erinnerte sich später an den besonderen Moment im Wiesbadener Zentralen Sammelpunkt, als die Büste zum ersten Mal aus ihrer Schutzhülle genommen wurde: „In einem Augenblick verliebten sich alle Männer dort hoffnungslos in sie – dieses Gesicht – einfach wunderschön.“
Lindsay mit der Büste der Nofretete in Wiesbaden 1945, Foto: Monuments Men and Women Foundation

Als unter anderen das Metropolitan Museum of Art in New York sein Interesse an der Sonnenkönigin anmeldete, konnte der erste Direktor des Collecting Point, der amerikanische Kunstschutzoffizier Captain Walter I. Farmer (1911-1997), die Ausfuhr der Nofretete in die Vereinigten Staaten verhindern.

Walter I. Farmer mit der Nofretete-Büste
Walter I. Farmer mit der Nofretete-Büste, Foto: National Gallery of Art, Washington, DC

Als die USA plötzlich doch Anspruch auf wiederbeschaffte Kunstwerke erhoben und den Befehl gaben, 202 bedeutende Gemälde aus Berliner Museen, darunter Werke von Caravaggio, Rembrandt, Titian, Botticelli, Raphael, Holbein und Rubens, in die Vereinigten Staaten abzutransportieren – es hieß, nur dort seien sie sicher verwahrt – protestierten am 7. November 1945 auf Farmers Initiative hin in einem Akt von Zivilcourage 32 US-Kunstschutzoffiziere mit dem "Wiesbadener Manifest" dagegen. Leider war der Protest zu der Zeit erfolglos, denn das Manifest erreichte nie seinen Bestimmungsort (um die Unterzeichner zu schützen), doch die Offiziere gaben auch nach ihrer Rückkehr in die USA nicht auf: Das Manifest wurde im Januar 1946 veröffentlicht und die 202 Gemälde kamen schließlich 1949 zurück nach Deutschland. Walter I. Farmer erhielt für seinen Einsatz 1996 das Große Bundesverdienstkreuz.

Warum gehe ich hier so ins Detail? Der Text des Wiesbadener Manifests ist im Hinblick auf die Nofretete-Büste unglaublich wichtig:

We wish to state that, from our own knowledge, no historical grievance will rankle so long or be the cause of so much justified bitterness as the removal for any reason of a part of the heritage of any nation even if that heritage may be interpreted as a prize of war.

Übersetzung:
Wir möchten darauf hinweisen, dass unseres Wissens keine historische Kränkung so langlebig ist und soviel gerechtfertigte Verbitterung hervorruft wie die aus welchen Gründen auch immer erfolgte Wegnahme eines Teils des kulturellen Erbes einer Nation, selbst wenn dieses Kulturerbe als Kriegsbeute betrachtet werden könnte.

Wiesbadener Manifest, 7. November 1945

Zurück zu Nofretete. 1946 wurde ihre Büste zunächst im Wiesbadener Central Collection Point (WCCP) und danach im Landesmuseum Wiesbaden ausgestellt. Der Spiegel schrieb dazu am 4. Januar 1947: "Frühjahr 1946 wurde sie in einer Ausstellung gezeigt. Die Zeitungen waren voll davon. Mehr als 200.000 sahen bewundernd die unsterbliche Schönheit."

Vorbereitungen für die erste Ausstellung der Nofretete im WCCP ab 1. Februar 1946
Vorbereitungen für die erste Ausstellung der Nofretete im WCCP ab 1. Februar 1946, (Lindsay links), aus: Walter I. Farmer: Safekeepers, 2000

Nofretete, die "Mona Lisa des Altertums", 1951 im Landesmuseum Wiesbaden
Nofretete, die "Mona Lisa des Altertums", 1951 im Landesmuseum Wiesbaden, Fotograf unbekannt

Und abermals, am 18.02.1946, meldete Ägypten seine Ansprüche auf die bunte Königin an. Es folgten Verhandlungen zwischen ägyptischen und amerikanischen Gesandten. Die amerikanische Militärregierung teilte in einem Brief vom 29. Mai 1946 mit, dass sie nicht zuständig sei, da die Büste nicht zu den von den Nationalsozialisten entwendeten Kunstgegenständen zählte, und schlug Ägypten vor, den Internationalen Gerichtshof oder eine ähnlich geeignete Institution in dieser Frage zu bemühen. Die deutsche Presse verkündete 1947, dass die Büste in Deutschland bleiben würde.

Offizielles Rückgabegesuch des ägyptischen Premierministers vom 12.02.1946Offizielles Rückgabegesuch des ägyptischen Premierministers vom 12.02.1946, aus: Walter I. Farmer, The Safekeepers, 2000

1948 übergab die amerikanische Militärregierung das Wiesbadener Kunstdepot in die Treuhand der Hessischen Landesregierung, welche die Nofretete-Büste am 22. Juni 1956 offiziell an West-Berlin zurückführte. Dort war sie anschließend im Museumszentrum in Dahlem zu bewundern.

Der zypriotische Vizepräsident Fazıl Küçük und Gattin besuchen West-Berlin und die Nofretete, 1957
Der zypriotische Vizepräsident Fazıl Küçük und Gattin besuchen West-Berlin und Nofretete, 1957, Foto: Ludwig Wegemann (Bundesarchiv)

1967 zog Nofretete in den Stülerbau "The Body of Nefertiti", Beitrag des ungarischen Künstler-Kollektivs Little Warsaw für die Biennale 2003 in Venediggegenüber dem Charlottenburger Schloss. Mehr als zwei Jahrzehnte lang war sie dort im ersten Stock ausgestellt, ab Anfang der 1990er Jahre im Erdgeschoss. 2005 zog die Sammlung von Charlottenburg in das Obergeschoss des Alten Museums auf der Museumsinsel Berlin und war im selben Jahr nach einem erneuten Umzug in einer Ausstellung im Kulturforum Berlin zu sehen, laut Museumsdirektor Dietrich Wildung ihre längste Reise innerhalb Berlins seit sie 1913 dort ankam – das zum deutschen Argument, die Büste sei zu fragil, um sie nach Ägypten zu transportieren. Ihre "Fragilität" hat in Berlin bereits diverse Untersuchungen, etliche Umzüge, zwei Weltkriege und – am 26.05.2003 – sogar die Montage auf den Bronzetorso einer nackten Frau anlässlich eines Video-Drehs für die 2003er Biennale in Venedig überlebt – wenn auch nicht unbeschadet."The Body of Nefertiti", Beitrag des ungarischen Künstler-Kollektivs Little Warsaw für die Biennale 2003 in Venedig – den Aufruhr in Ägypten mag man sich vorstellen. Die Büste wurde umgehend zurückgefordert. Berlin reagierte, indem es die Ausstellungsankündigung von seiner Website entfernte ..., Foto: © Little Warsaw

Die deutsche Odyssee der Schönen hatte erst ein Ende, als sie 2009, 64 Jahre nach der fast vollständigen Zerstörung des Museums im Zweiten Weltkrieg, einen eigenen Kuppelsaal im wiedereröffneten Neuen Museum auf der Berliner Museumsinsel erhielt: umgeben von europäischen Wandmalereien aus dem 19. Jahrhundert, ohne historischen Kontext, einsam – genau so, wie es sich Hitler erträumt hatte ...

Nofretete im Nordkuppelsaal des Neuen Museums Berlin
Nofretete im Nordkuppelsaal des Neuen Museums Berlin, Foto: picture alliance/dpa

Plakat zur Wiedereröffnung des Neuen Museums 2009
Plakat zur Wiedereröffnung des Neuen Museums 2009, Foto: Imago/PEMAX

"Die Dame ist nicht reisewillig." Und mehrfach beschädigt.

1984 schlug die Bewegung „Nofretete will nach Hause“ vor, die Büste abwechselnd in Kairo und Berlin auszustellen. 2011 gab es eine deutsche Petition, die forderte, die Büste, 6 Monate an Ägypten auszuleihen. Sie erreichte ganze 6 Unterzeichner, bevor sie zurückgezogen wurde!

2007 wurde die Kampagne „Nofretete geht auf Reisen“ initiiert. Urheber war der deutsche gemeinnützige Verein CulturCooperation e.V., der sich seit 1986 für die Förderung des internationalen Kulturaustauschs einsetzt. Er forderte die Bundesregierung in einem Brief an den Staatsminister für Kultur und Medien Bernd Neumann auf, Nofretete an Ägypten auszuleihen – Wafaa el-Seddiq, die damalige Direktorin des Ägyptischen Museums in Kairo hatte ein Jahr zuvor darum gebeten. Der Kulturausschuss des Bundestages erklärte am 26. April 2007 in Berlin, der Umgang mit der Kalksteinbüste müsse aus konservatorischen und restauratorischen Gründen äußerst sorgsam sein. Eine Ausleihe also abgelehnt werden. Zwei sogenannte "Kleine Anfragen" im Berliner Abgeordnetenhaus aus demselben Jahr lieferten kein anderes Ergebnis.

Apropos "sorgsamer" Umgang mit der Büste. 1997 veröffentlichte der Spiegel einen Artikel, der einen eklatanten Schaden an der Nofretete-Büste zum Thema hatte. Der Ägyptologe Rolf Krauss hatte aufgedeckt, dass dieser bei der 1925 vom Berliner Museum beauftragten Materialanalyse am rechten Auge der Büste entstanden war. Der Museumschemiker "Friedrich Rathgen kratzte einen Teil des schwarzen Materials ab und setzte die Augeneinlage wieder an ihren Platz, ohne die Fehlstelle zu kaschieren. Was fehlt, macht annähernd ein Fünftel der originalen Fläche von Iris und Pupille aus. Infolge einer Linsenwirkung der Kristallscheibe ist es schwierig die Fehlstelle zu erkennen, wenn man vor der Büste steht. Die Museumsfotografin Margarete Büsing berichtete mir von der Fehlstelle im Schwarzen des Nofretete-Auges, die ihr aufgefallen war, als sie im Auftrag von Direktor Wildung Spezialaufnahmen von der Büste machte." schreibt Krauss in "Une imposture de l’égyptologie. Henri Stierlins Thesen zur Berliner Nofretete-Büste.".

Nofretetes Pupille vor und nach ihrer Beschädigung
Nofretetes Pupille vor und nach ihrer Beschädigung, aus: Rolf Krauss: 'Une imposture de l’égyptologie'. Henri Stierlins Thesen zur Berliner Nofretete-Büste

Bei seinen Recherchen im Magazinspeicher des Ägyptischen Museums Berlin stieß Krauss auf eine Schachtel mit der Aufschrift: "Vom Auge der Königin Nefretete No. 21300" – sie enthielt die Wachsprobe von 1925. Immerhin hatte der Schaden so noch etwas Gutes, denn nun konnte das Wachs mit der Radiokarbonmethode analysiert und das Alter der Büste bestätigt werden, denn dafür braucht man organisches Material. Die gerne für die Authentizität als Argument bemühten CT-Scans von 1992, 2006 und 2009 beweisen lediglich den inneren Aufbau und den Entstehungsprozess der Büste, etwaige unterschiedliche Materialdichten und Hohlräume, nicht aber ihr Alter oder ihre Echtheit.

Nofretetes (beschädigtes) rechtes Auge
Nofretetes (beschädigtes) rechtes Auge, © Staatliche Museen zu Berlin / Jürgen Liepe

Interessanterweise befindet sich der Bericht zum "Forschungsprojekt: Nofretete ÄMP 21300", das am Rathgen-Forschungslabor der Staatlichen Berliner Museen von 2009 bis 2011 durchgeführt wurde und den restauratorischen Zustand sowie die Transportfähigkeit der Büste untersuchte, laut Instituts-Website seit 2023 in Vorbereitung. Fragt sich, was zwischen 2011 und 2023 passiert ist, das eine zeitnahe Veröffentlichung verhinderte ...

Seit ihrer Entdeckung waren die deutschen Aufenthaltsorte der bunten Königin von Erschütterungen, Temperaturschwankungen und Feuchtigkeit geprägt. Der Ägyptologe Barry Kemp, der von 1977 bis zu seinem Tod 2024 das Amarna Project leitete, vermerkte dazu in der ZDF-Dokumentation von 2007, es sei ein Wunder, dass sie trotzdem als intakte, wunderschöne Statue erhalten geblieben sei.

Unterschiedliche Studien zeigten, dass die Farbverluste nach dem Entdeckungsjahr und dann noch einmal seit 2005 am stärksten waren. Die Bemalung der Büste soll zudem im Rahmen der Kunstaktion für die Biennale in Venedig 2003 erneut Schäden erlitten haben. Mittlerweile erhielt die Büste einen Unterbau, der eine berührungsfreie Bewegung ermöglicht – was ihr allerdings für die Kunstaktion auch nicht geholfen hätte. Und: Wo soll sie denn nun wieder hin, so dass dieser Unterbau nötig wurde?

Museumsdirektor Dietrich Wildung (links) mit einem der Künstler und "The Body of Nefertiti" 2003
Museumsdirektor Dietrich Wildung (links) mit einem der Künstler und "The Body of Nefertiti" 2003, Foto: Lenke Szilagyi, © Little Warsaw

Unterbau für die Nofretete-Büste, Foto: Zentrale Restaurierungswerkstatt (ZRW )Berlin
Unterbau für die Nofretete-Büste, Foto: Zentrale Restaurierungswerkstatt (ZRW )Berlin



Die Büste der Nofretete – Replikas und Fakes

Von der Bildhauerin Tina Haim 1913 angefertigte Nachbildung der Nofretete-Büste in Huis DoornVon der Büste der Nofretete existieren zahlreiche Kopien. Die erste gab James Simon in Auftrag, als er das Original dem Berliner Museum schenkte. Diese Kopie ist noch im Besitz seiner Nachkommen. Kaiser Wilhelm II. hatte das Original bei Simon gesehen und sich daraufhin ebenfalls eine Kopie anfertigen lassen. Er nahm sie 1918 sogar mit ins Exil in die Niederlande. An seinem Exilsitz in Schloss Huis Doorn befindet sie sich noch immer in der Bibliothek (s. Foto links).
Von der Bildhauerin Tina Haim 1913 angefertigte Nachbildung der Nofretete-Büste in Huis Doorn, Foto: Museum Huis Doorn

Tina Haim, seit 1914 Haim-Wentscher o.a. Haim-Wentcher, in ihrem Studio zwischen 1919 und 1923In der Gipsformerei der Staatlichen Museen Berlin werden seit 1819 Replikate (originalgetreue Kopien) bedeutender Museumsstücke hergestellt, darunter auch seit 1914 die Büste der Nofretete. Die beiden oben genannten Kopien wurden bereits 1913 von der Bildhauerin Tina Haim (1887-1974) manuell vermessen und in Kunststein ausgeführt, ein direkter Gipsabdruck vom Original war wegen der bemalten Oberfläche nicht möglich. Haim rekonstruierte auf Wunsch die beschädigten Ohren, das Kronenband, den Uräus und das fehlende linke Auge.
Tina Haim, seit 1914 Haim-Wentscher o.a. Haim-Wentcher, in ihrem Studio zwischen 1919 und 1923, Tina Wentcher Scrapbook, Foto: McClelland Archive

Tina Haim: Nofretete, 1913, Kunststein, Huis Doorn, Niederlande, Inv.-Nr. 01401
Tina Haim: Nofretete, Kunststein, 1913, Huis Doorn, Niederlande, Inv.-Nr. 01401

Anfang der 1920er Jahre schuf die Bildhauerin im Auftrag der Gipsformerei eine weitere, nun mit Schellack überzogene Abformung, die nun als Mastermodell (GF 539) für alle verkauften Büsten dienen sollte. Haim-Wentscher folgte dem Maß und der Form des Originals und gab nun auch Fehlstellen – mit marginalen Abweichungen – exakt wieder, sie ergänzte aber auch hier wieder das fehlende Auge. Allein für den Zeitraum Juli 1921 bis Ende 1922, also noch vor der ersten öffentlichen Präsentation der Büste 1924, sind 75 Abgüsse auf Basis dieses Mastermodells durch die Gipsformerei dokumentiert, bis Mitte der 50er Jahre waren es 1.285 Exemplare.

Modelle der Nofretete: vorne links die erste Fassung von Tina Haim-Wentscher von 1922, hinten rechts die Fassung  von 2015
Modelle der Nofretete: vorne links die erste Fassung von Tina Haim-Wentscher von 1922, hinten rechts die Fassung von 2015, © Staatliche Museen zu Berlin, Gipsformerei  / Achim Kleuker

Mit der öffentlichen Ausstellung Nofretetes 1924 steigerte sich die Nachfrage nach Replikaten, die Büste konnte nun in verschiedenen Varianten aus dem Katalog bestellt werden. Für Jahrzehnte blieb das von Tina Haim-Wentscher gefertigte Modell die maßgebliche Vorlage. 2014 legte die Gipsformerei ihre Version als „Historische Replik“ neu auf und verkaufte sie für 1.990 €.

Johanna Gassmann bei der Arbeit an einer Replik der Nofretete-Büste
Johanna Gassmann bei der Arbeit an einer Replik der Nofretete-Büste in den Werkstätten des Neuen Museum Berlin am 2. Oktober 2015, Foto: Reuters

2008 wurde die Büste der Nofretete mit einem 3D-Streifenlichtscanner vermessen. Der so hergestellte Prototyp aus Kunststoff dient seit 2009 der Gipsformerei als Grundlage, um die zur Zeit bestmögliche Reproduktion der Nofretete mit einer Genauigkeit von 0,03 Millimetern zu fertigen. 2015 wurde die farbliche Fassung überarbeitet. Für die Bemalung werden seitdem Original-Pigmente verwendet, das Auge ist nicht mehr aufgemalt, sondern besteht – wie beim Original – aus geschliffenem Bergkristall. Die Gipsformerei fertigte auf der Basis dieses Scans zunächst eine auf 100 Exemplare limitierte Sonderedition der Büste an, die bis 2015 erhältlich war. Seit Oktober 2015 bietet sie eine nicht mehr nummerierte Version mit Glasauge und Steinsockel an. Die Bemalung wird per Hand durchgeführt, so dass jede Reproduktion ein Unikat ist. Ein buntes Replikat kostet 8.900 €, ein unbemaltes ist für 1.290 € erhältlich.

Die Kopie der Büste im Katalog der Gipsformerei
Die Kopie der Büste im Katalog der Gipsformerei

Rezeption: Moderne Kunst mit Kunststoffkopien

Die Nofretete-Büste hat zahllose Künstler des 20. und 21. Jahrhunderts inspiriert. Sie benutzten die Kopien der Gipsformerei und transformierten sie in eigene Projekte.

“Variations on a Theme by Queen Nefertete" von Bruce Houston nach einer Idee des damals 87jährigen österreichischen Filmregisseurs Billy Wilder, 1993
6 von insgesamt 14 “Variations on a Theme by Queen Nefertete" von Bruce Houston nach einer Idee des damals 87-jährigen österreichischen Filmregisseurs Billy Wilder, 1993: Nofretete im Stil von Wilders Lieblingskünstlern Botero, Christo, Warhol, Matisse, Modigliani und Stella. Wilder hatte die Büste 1933 in Berlin gesehen und nie vergessen.

"Grey Area (Black Version)" von Fred Wilson, Brooklyn Museum 1993
5 Nofretete-Repliken vereint zu einem neuen Kunstwerk mit dem Titel "Grey Area (Black Version)" von Fred Wilson, Brooklyn Museum 1993

Make-Up-Kunst 2013 an Kopien der Gipsformerei.
Vier Top-Visagisten – Alex Rothe (für Armani), Michael Latus (für Yves Saint Laurent), Loni Baur (u.a. für Chloé), Martin Schmid (für Chanel) – vollzogen ihre Make-up-Kunst 2013 an Kopien der Gipsformerei. Fotos 1, 2 und 4: Peter Langer, Foto 3: Filippo Del Vita

Nofretete-Büsten der Berliner Künstlerin Isa Genzken
Die Berliner Künstlerin Isa Genzken ist fasziniert von Nofretete und kreiert immer wieder neue Variationen der Büste, hier die Versionen mit Sonnenbrille von 2014, versteigert 2015 für 677.000 £ bei Sotheby's. 2023 setzte die Künstlerin der Kopie lediglich eine Plastik-Schutzbrille auf die Nase und verkaufte sie für 250.000 EUR, © Galerie Buchholz, David Zwirner und Hauser & Wirth

The Other Nefertiti – eine Guerilla-Aktion

Im August 2015 gelang es den deutschen Medienkünstlern Nora Al-Badri und Jan Nikolai Nelles trotz der hohen Sicherheitsstandards des Berliner Museums unbemerkt die Nofretete-Büste mit neuesten Technologien digital abzuformen. Ihre Guerilla-Aktion trug den Namen "The Other Nefertiti ". Sie veröffentlichten die High-Quality-Daten als Public Domain auf Deutschlands größter Hacker-Convention, dem Chaos Communication Congress, so dass sich nun jeder mit einem 3D-Printer seine eigene Kopie der Büste drucken kann. Die Datei wurde nach ihrer Bereitstellung in kürzester Zeit über 100.000-mal heruntergeladen.

Vortrag von Nora Al-Badri und Jan Nikolai Nelles am 4. Juni 2017
Vortrag von Nora Al-Badri und Jan Nikolai Nelles am 4. Juni 2017

Nora Al-Badri und Jan Nikolai Nelles mit der 3D-gedruckten Nofretete-Büste
Nora Al-Badri und Jan Nikolai Nelles mit einer ihrer 3D-gedruckten Nofretete-Büsten

In einem nächsten Schritt inszenierten Al-Badri und Nelles die symbolische Rückkehr der Nofretete-Büste an ihren Fundort. Dafür fertigten sie in Zusammenarbeit mit der ägyptischen Archäologin Monica Hanna ein YouTube-Video an, in dem der Fund einer weiteren Nofretete-Büste mithilfe einer 3D-gedruckten Kopie vorgetäuscht wurde. Mit Unterstützung des Goethe-Instituts wurde ein 3D-Druck im November 2015 auf der OFF Biennale in Kairo ausgestellt. Damit war die Büste der Nofretete zum ersten Mal seit ihrer Entdeckung in Ägypten zu sehen. Der letzte Schritt der Kunstaktion bestand in der Vergrabung der Büste in der Sahara als politischem Gegenakt zu ihrer Ausgrabung 1912. Die Vergrabung wurde ebenfalls in einem Video festgehalten. Mit ihrer Aktion wollten die Künstler Nofretete symbolisch aus Berlins Geiselhaft befreien und an Ägypten zurückgeben. Gleichzeitig forderten sie eine physische Rückgabe der Büste. “With the data leak as a part of this counter narrative we want to activate the artefact, to inspire a critical re-assessment of today’s conditions and to overcome the colonial notion of possession in Germany” ["Mit dem Datenleck als Teil dieser Gegendarstellung wollen wir das Artefakt aktivieren, um eine kritische Neubewertung der heutigen Verhältnisse anzuregen und die koloniale Vorstellung von Besitz in Deutschland zu überwinden"], sagten die beiden Künstler. Darüber hinaus monieren sie, dass Institutionen die Interpretationshoheit über ein Objekt bewahren und so die Geschichte, die darüber erzählt und verbreitet wird, kontrollieren.

Screenshot aus "The Other Nefertiti", dem Video von Nora Al-Badri und Nikolai Nelles, 2015
Screenshot aus "The Other Nefertiti", dem Video von Nora Al-Badri und Nikolai Nelles, 2015

Das Neue Museum Berlin hatte selbst bereits 2008 einen hochaufgelösten 3D-Scan zur Archivierung, Konservierung und Forschung produziert, aber nie veröffentlicht, um durch den Verkauf von Lizenzen ein zusätzliches Einkommen zu generieren. Der 3D-Künstler und Open-Access-Aktivist Cosmo Wenman erreichte in einem über drei Jahre währenden Rechtsstreit (2016 bis 2019), dass die Stiftung Preußischer Kulturbesitz nun ihre eigenen 3D-Daten zum freien Download zur Verfügung stellen muss.

Die Berliner Nofretete eine Fälschung?

2009 erhob der französische Kunsthistoriker Henri Stierlin den Vorwurf, Borchardt habe die Nofretete-Büste bereits vor dem 6. Dezember 1912 ohne Täuschungsabsicht gefälscht, indem er Materialien verwendete, die aus der Ausgrabungsstätte stammten und daher tatsächlich alt seien. Bei dem verwendeten Stein und Gips sei eine Altersbestimmung unmöglich, weil dies nur bei organischen Materialien funktioniere. – Dem steht jedoch eine Pigment-Untersuchung aus dem Jahr 2000 entgegen, die offenbar Nofretetes Echtheit bewies. Die Pigmente bestehen aus der für Amarna typischen Kalk-Gips-Anhydrit-Mischung. Die spezifische Zusammensetzung war zu Borchardts Zeiten wohl noch unbekannt.

Dennoch bleibt die Frage offen, wie eine mit Gips bemalte Kalkstein-Büste, die laut Borchardt in der Bildhauerwerkstatt von einem Regalbrett in eineinhalb Metern Höhe mit dem Gesicht voran auf den harten Boden herabgestürzt war, diesen Sturz unbeschadet überleben konnte, während die im selben Raum gefundene Echnaton-Büste (Berlin ÄM 21360) aus dem gleichen Material in mehrere Teile zerbrochen war. Ein weiteres Argument für den Fälschungsvorwurf: "Dieses Stück [die Nofretete] ist einzigartig. Zu einzigartig", meint Henri Stierlin. "Es entspricht nichts, ähnelt nichts. Die Materialien, aus denen die Büste besteht, ihr Stil, ihr Zustand, aber auch die Art und Weise, wie sie auftaucht und dann nach Deutschland transportiert wird, das ohrenbetäubende Schweigen des Archäologen, der sie 'entdeckt' hat – alles deutet darauf hin, dass die Büste nicht authentisch ist", schreibt er.

Rekonstruktion der Fundsituation, Screenshot aus der Dokumentation "Das Geheimnis der Büste der Nofretete"
Rekonstruktion der Fundsituation, Screenshot aus der Dokumentation "Das Geheimnis der Büste der Nofretete"

Dabei unterstellt Stierlin Borchardt wie gesagt keine Betrugsabsicht. Vielmehr habe er die Büste anfertigen lassen, um in einem wissenschaftlichen Experiment antike Pigmente an einer Bildhauerstudie zu testen. Davon hatte er reichlich bei seinen Ausgrabungen in Amarna gefunden, ja sogar notiert, dass sie noch brauchbar waren. Borchardt war am 5.12.1912 in Kairo, als sich kurzfristig für den 6.12. der sächsische Prinz Johann Georg mit seiner Frau nebst einer siebenköpfigen Begleitung in Amarna ankündigte, und Borchardt reiste sofort selbst dorthin. Stierlins Theorie: Als den Hoheiten die Nofretete-Büste gezeigt wurde, reagierten sie sichtlich begeistert und das Ereignis entwickelte eine Eigendynamik. Schnell war ein Foto gemacht und Borchardt stand vor einem Dilemma: Sollte er den Irrtum aufdecken oder sich weigern, die wahre Natur der Büste zuzugeben, und damit das Risiko eingehen, eine Fälschung ins Berliner Museum zu bringen? Er versuchte um jeden Preis, einen Skandal zu vermeiden und entschied sich für Letzteres. Und so nahm die Geschichte ihren Lauf.

Kommt wo was raus,
Bring’s gleich ins Haus,
Wo’s sicher liegt und geborgen.
Doch naht ein Prinz,
Dann find’s erst morgen!

Ludwig Borchardt, 1913
zitiert in: Im Licht von Amarna, 2012

Als Henri Stierlin für sein Buch "Le Buste de Néfertiti. Une imposture de l'égyptologie?" recherchierte, teilte er schon 1983 seine Zweifel an der Echtheit der Nofretete-Büste Dietrich Wildung mit, damals noch Direktor des Ägyptischen Museums in München. Interessanterweise stimmte der ihm in einem Antwortbrief zu: "Ihr Konzept für die Nofretete-Publikation erscheint mir in sich sehr schlüssig und überzeugend." Auch Wildung hegte Zweifel, zum einen wegen des Erhaltungszustands, zum anderen aus kunstgeschichtlich-stilistischen Gründen. "Kalte Perfektion; Ichlosigkeit; kein Zeitstil spürbar; Kunstwerk aus der Retorte", schrieb er an Stierlin. Er bot ihm sogar an, ein "dezentes" Vorwort für sein Buch zu verfassen – "dezent", um "die Berliner Kollegen nicht zu sehr zu brüskieren". Doch als Wildung 1989 Direktor des Ägyptischen Museums in Berlin wurde, vollzog er eine 180-Grad-Wendung und distanzierte sich von seinen früheren Aussagen. Stierlin bekam Besuch von zwei Vertretern des Berliner Museums, die ihn überreden wollten, seine Recherchen einzustellen. Stierlin ließ sich nicht einschüchtern. Wildung selbst hatte inzwischen ein offizielles Verbot der betroffenen deutschen Behörden erhalten, über die Büste zu sprechen oder Stierlins Forschungen auch nur zu erwähnen. Angeblich war das Ganze damals, also 1983, für ihn nur ein Scherz, behauptete Wildung 2009 gegenüber der Berliner Morgenpost.

Passagen aus dem Brief von Wildung an Stierlin, Screenshots aus der Dokumentation "Das Geheimnis der Büste der Nofretete" 
Passagen aus dem Brief von Wildung an Stierlin, Screenshots aus der Dokumentation "Das Geheimnis der Büste der Nofretete" 

Ist es ein Zufall, dass die französische Originalausgabe von Stierlins Buch "Le Buste de Néfertiti. Une imposture de l'égyptologie?" im März 2009 erschien und WIldung zum 30. Juni 2009 im stolzen Alter von 68 Jahren von seinem Posten als Direktor des Ägyptischen Museums Berlin zurücktrat?

Statuenkopf von HatschepsutÜbrigens wurde ein anderes als echt angesehenes Kunstwerk im Ägyptischen Museum Berlin tatsächlich als Fälschung, entlarvt: ein nur 16,5 cm hoher Statuenkopf von Hatschepsut (oder vielleicht Thutmosis III., Inv.-Nr. ÄMP 34431). Das Ägyptische Museum Berlin erwarb ihn 1986 vom berüchtigten Londoner Antiquitätenschieber Robin Symes, der für den Verkauf gefälschter Objekte ohne Provenienz bekannt ist, für damals knapp 1 Million Mark. Klaus Köller von der Technischen Universität Berlin hält den Kopf für eine Fälschung. Er untersuchte das ungewöhnlich leichte Material der braunen Skulptur, die offiziell aus bräunlichem Granit besteht. Sein Gutachten zeigte, dass sie stattdessen aus einem Magnesit-Siderit-reichen Gestein hergestellt wurde. Stilistische und petrographische Analysen von Gesteinsproben erwiesen, dass es sich um ein in moderner Zeit gefertigtes, wahrscheinlich aus Kunststein gegossenes Falsifikat handelt, das eine originale Statue aus der Thutmosidenzeit als Vorlage für die Gussform hatte.
Statuenkopf von Hatschepsut, © Staatliche Museen Berlin / Margarete Büsing

Eine Fälschung, die Wildung 1997 noch als echt verteidigte. 2009 zeigte er sich überrascht und verärgert. Er habe nichts von den Untersuchungen des Statuenkopfes gewusst. Hatschepsut ist peinlicherweise nach wie vor in der Ausstellung des Ägyptischen Museums Berlin zu sehen, denn dazu ist dieses durch den Vertrag mit der mitfinanzierenden Ernst von Siemens-Kunststiftung München verpflichtet.

Nofretete im Mittelpunkt der Berliner Ausstellung "Im Licht von Amarna. 100 Jahre Fund der Nofretete" 2012
Nofretete im Mittelpunkt der Berliner Ausstellung "Im Licht von Amarna. 100 Jahre Fund der Nofretete" 2012, Foto: dapd/ax/sjl

Es halten sich auch hartnäckig Gerüchte, die Nofretete-Büste sei in den Wirren des Zweiten Weltkriegs gegen eine täuschend echte Kopie ausgetauscht worden (s. Terra-X-Dokumentation von 2007). 1981 tauchte ein Zeitzeuge im Charlottenburger Museum in Berlin auf, der behauptete, er sei der Offizier Edzard Folkers, der im April 1945 die Auslagerung der Kunstschätze aus dem Flakbunker befohlen habe. Eine Nofretete-Büste sei im März 1945 nach Thüringen gegangen, eine zweite Büste aber zunächst im Flakbunker in Berlin geblieben und später nach Niedersachsen geschafft worden. Er erklärte eidesstattlich, er habe die Büste noch am 5. April 1945 im Zoobunker unter Panzerglas gesehen. Letztere sei die echte und verschwunden, während die erste, heute in Berlin, eine von Hitler beauftragte Kopie sei. Otto Kümmel, von 1934 bis 1945  Generaldirektor der Staatlichen Museen in Berlin, bestätigte tatsächlich mehrfach am Krankenbett, dass eine exakte Kopie der Büste im Auftrag von Hitler hergestellt worden sei: um die Ägypter, die eine Rückgabe forderten, zu täuschen und das Original behalten zu können. Im Augenzeugenbericht des oben genannten Offiziers befinden sich aber so viele Unstimmigkeiten und Fehler bezüglich der politischen Gesamtsituation, dass auch an seiner Glaubwürdigkeit bezüglich der Nofretete gezweifelt werden darf. Sicher ist zum Beispiel, dass Hitler die Bergung der Kunstschätze selbst beauftragte, einen Monat, bevor Folkers sie befohlen haben will, und dass Nofretete im Schutzbunker nicht unter Glas ausgestellt, sondern in einer Kiste verpackt war.

Das ZDF behauptete außerdem in dieser Dokumentation, die Büste der Nofretete sei vom Berliner-Zoo-Bunker ausgelagert worden und habe sich in einer Kiste mit der Nummer 28 befunden, als sie Berlin verließ. Bei ihrer Ankunft in Thüringen soll sie sich aber in einer Kiste mit der Nummer 34 befunden haben. Die Schilderung in der Sendung passt jedoch ebenfalls nicht zu dokumentierten Ereignissen.

SS-Stempel auf KunstwerkenDie Berliner Zeitung "B.Z. – die Stimme Berlins" veröffentlichte im Januar 2008 einen Bericht, demzufolge der Modehersteller Shangri-La im Besitz dieser aus Hitlers Privatmuseum geretteten Kopie der Nofretete sei. Da sich aber am Sockel ein Stempel des Dritten Reichs und daneben die Inventarnummer AH 537 befände (AH für Adolf Hitler), könne es sich auch um das Original handeln und im Berliner Museum befände sich demnach eine Kopie. Allerdings zitiert die B.Z. das schweizerische "Mysteries-Magazin" aus dem Kopp-Verlag als Quelle – eine Veröffentlichung, die bekannt ist für ihre Verschwörungstheorien.

Zurück zu Nofretete und Stierlins Verdacht: Der Amarna-Kenner Rolf Krauss urteilt: "Ein einziger Blick sollte genügen (meinetwegen auch ein zweiter Blick), um zu entscheiden, ob es sich um eine Jahrtausende alte erstrangige Skulptur im Amarnastil handelt oder um Kit[s]ch, beeinflusst von art nouveau (Jugendstil), wie Stierlin urteilt." – Doch was wäre, wenn Stierlin recht hätte und sich Berlin weigert, die Büste an Ägypten zurückzugeben, um nicht zugeben zu müssen, jährlich Hunderttausenden von Besuchern eine Fälschung präsentiert zu haben?



Die Büste der Nofretete – Botschafterin oder Geisel? Repatriierung und Dekolonialisierung

Trotz all der unzähligen ägyptischen Repatriierungsgesuche, man legte 2009 und 2011 sogar alle Papiere aus Borchardts Institut in Kairo vor, die Borchardts Betrug bewiesen, behauptet Deutschland mit hartnäckiger Arroganz, es habe nie ein offizielles Gesuch seitens des ägyptischen Staates zur Rückgabe gegeben. Die Gesuche wurden meisten schlicht ignoriert oder mit Aussagen wie "die Dame ist nach 3000 Jahren nicht mehr reisewillig" (Die Welt, 13.05.06) und "You want to take Nefertiti's bust ... so what can we do? Shall we close the museum?" (Al-Ahram 797/2006) abgeschmettert. Nach Ansicht des früheren Direktors des Ägyptischen Museums in Berlin, Dietrich Wildung, würde die Nofretete-Büste in Kaironicht annähernd eine so gute Figur machen“ und neben den dortigen Kunstschätzen „nicht die gleiche Strahlkraft“ haben wie in Berlin. Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, zu der das Ägyptische Museum gehört, erklärte 2012, dass er eine Rückgabe an Ägypten nach wie vor ausschließt: „Nofretete ist Teil des kulturellen Erbes der Menschheit. Eine Rückgabe einfach so aus Großmut halte ich grundsätzlich für nicht vertretbar.“ (B.Z.‚ 03.12.2012). Nachvollziehbar, denn der Wert der Nofretete liegt bei 500 Millionen Euro ...

Mural auf einem verbliebenen Stück der Berliner Mauer: "100 Jahre Diebstahl", 2012,
Mural auf einem verbliebenen Stück der Berliner Mauer: "100 Jahre Diebstahl", 2012, Foto: Peter Eichenauer

Gerade erst heute, am 11.02.26, erschein der Artikel "Warum Nofretetes Rückgabe ein Dammbruch wäre". Unter dem Bild ihrer Büste war zu lesen: "Der identitäre Wahn, dass eine Kultur nur ihren Mitgliedern und deren Nachfahren gehört". Am Ende des Textes hieß es: "Das neue Grand Egyptian Museum mit seinen einzigartigen Kostbarkeiten und rund 100.000 Artefakten zeugt nicht von einem Land, das seiner Kultur beraubt wurde. Es ist im Gegenteil Ausdruck einer Kultur, die so reich ist, dass sie ein kleines bisschen von ihrem Reichtum mit der Welt teilen kann." – Ernsthaft? Nofretete ein bisschen Reichtum? Und wer entscheidet, was Ägypten von seinem Reichtum abgeben soll? Gibt denn Deutschland etwas von seinem kulturellen Reichtum ab? Dürer? Caspar David Friedrich? Paul Klee? Ernst Barlach? Käthe Kollwitz? Der Artikel ignoriert zudem – entsprechend den offiziellen Museumsverlautbarungen – sämtliche Verschleierungstaktiken rund um die Fundteilung.

Werbung für das Berliner Museum

Im Dezember 2025 titelte Bruno S. Frey in der schweizerischen NZZ: "Fairer Vorschlag für Berlin und Ägypten". Er hatte die absurde Idee, eine exakte Kopie der Nofretete-Büste anzufertigen und dann beiden Länder per Los jeweils eine Büste zukommen zu lassen, nicht wissend, welches nun das Original besitzt. Abgesehen davon, dass sich dies heutzutage zweifelsfrei feststellen ließe – warum sollte sich Ägypten darauf einlassen? Außerdem bestritt Frey tatsächlich, dass echte Kunstwerke eine Aura haben, die Besucher in ihren Bann ziehen. Eine Kopie sei daher völlig ausreichend. Die Gesichter, welche die Büste auf den Fotos in diesem Artikel betrachten, sprechen eine andere Sprache ...

Nofretete -Büste, Foto: dapd
Nofretete -Büste, Foto: dapd

Da erscheint der Vorschlag des in Berlin lebenden Ägyptologen Hassan Saber sehr viel fairer. Sabers bevorzugte Lösung ist es, die Nofretete-Büste im Neuen Museum durch eine moderne Replik zu ersetzen und sie mit Tafeln zu versehen, die über die Gründe für Nofretetes Rückkehr nach Ägypten informieren. Er ist der Meinung, dass eine solche Aktion bei Besuchern aus der ganzen Welt Respekt und Interesse wecken würde. „Es ist eine moralische Handlung, die das Museum der Nofretete schuldet, wenn es sie wirklich respektiert“, sagte er der Berliner Zeitung am 14.08.23.

Es war der investigative Journalist Gert von Paczensky (1925–2014), Verfechter der Entkolonialisierung und scharfer Kritiker der wirtschaftlichen Ausbeutung der Dritten Welt, der ab 1977 als erster den Erwerb der Nofretete-Büste als Paradebeispiel für Kolonialismus brandmarkte. 1984 schrieb er das Buch "Nofretete will nach Hause. Europa – Schatzhaus der 'dritten Welt'". Für ihn war die Präsenz der Büste in Berlin ein Beispiel für die Plünderung der Kulturschätze der Dritten Welt durch europäische Kolonialisten, die durch eine Täuschung bei der Aufteilung der Fundstücke noch verschärft wurde. 1990 schrieb er in einem Brief an Rolf Krauss: "Ich begann mich um die [Nefertiti-]Geschichte im Rahmen meiner Befassung mit Problemen der Dritten Welt zu kümmern und fand eine typisch Berliner-westliche Arroganz, dass die Stadt mit der Nofretete Fremdenverkehrs-Werbung betrieb. Als ich beschloss, Nofretete im Fernsehen zu behandeln, ahnte ich noch wenig von der Seltsamkeit der Ausgrabungsgeschichte. Dann habe ich mich gründlicher mit dem Thema befasst."

Werbung für das Berliner Museum in der Berliner Morgenpost, 2010
Werbung für das Berliner Museum in der Berliner Morgenpost, 2010

Auch der Historiker und Nofretete-Buchautor Sebastian Conrad, dessen Buch "Die Königin – Nofretetes globale Karriere" 2024 für den Deutschen Sachbuchpreis nominiert war, bezweifelt die Legalität von Borchardts Kulturgut-Export: "Archäologie war auch Imperialismus mit anderen Mitteln", sagt er. Und: "Es ist formal legal gewesen, ist aber aus heutiger Perspektive nicht legitim." Denn: Hätte die Büste der Nofretete nur zehn Jahre länger im Wüstensand gelegen, stünde sie heute in einem Museum in Kairo. 

Nofretete mit dabei beim Gedenkmarsch zur Erinnerung an die afrikanischen Opfer von Versklavung, Kolonialismus und rassistischer Gewalt, Berlin 2017
Nofretete mit dabei beim Gedenkmarsch zur Erinnerung an die afrikanischen Opfer von Versklavung, Kolonialismus und rassistischer Gewalt, Berlin 2017, Foto: Imago/IPON

Museumssammlungen spiegeln das kulturelle und natürliche Erbe der Gemeinschaften wider, aus denen sie stammen. Somit reicht ihr Charakter über jenen von gewöhnlichem Eigentum hinaus, da enge Bindungen an nationale, regionale, lokale, ethnische, religiöse oder politische Bindungen bestehen können. Es ist daher wichtig, dass die Museumstätigkeit diesen Umständen aufgeschlossen gegenübersteht.

Ethische Richtlinien für Museen von ICOM (International Council of Museums), Grundsatz zu Artikel 6 – Die ICOM-Richtlinien bilden die Grundlage der professionellen Arbeit von Museen und Museumsfachleuten.

In einem Gespräch mit dem Deutschlandradio Kultur am 3. November 2025 fordert der Historiker und Afrika-Wissenschaftler Jürgen Zimmerer (Universität Hamburg) die Restituierung der Nofretete-Büste, da die Ausfuhr nach Deutschland unter Bedingungen erfolgte, die nicht Ägypten, sondern die britische Kolonialmacht gemeinsam mit den Franzosen geschaffen hatte. Deutschland nimmt koloniales Recht zur Grundlage, um seine jetzigen Besitzansprüche zu rechtfertigen, was auch Zimmerer für nicht legitim hält. Er fügte aber noch eine Begründung hinzu, die man nicht so oft hört: Im Falle von Nazi-Raubkunst will Deutschland aus moralischen Gründen nicht von dem damals gültigen Recht profitieren und erkennt es deshalb nicht an, im Falle der Nofretete ist es mit der Moral aber nicht so weit her und Deutschland tut genau das: die Rückgabe verweigern auf Grund des kolonialen Rechts, während der amtierende deutsche Bundespräsident die Dreistigkeit hat, der Einladung zur Eröffnung des Grand Egyptian Museum zu folgen – ohne ein eindeutiges Statement zugunsten einer Rückgabe zu machen, so Zimmerer.

Transformation eines unvollendeten Gipskopfes von Nofretete (ÄM 21349) in ihre berühmte Büste (ÄM 21300), © Egypt Museum
Transformation eines unvollendeten Gipskopfes von Nofretete (ÄM 21349) in ihre berühmte Büste (ÄM 21300), © Egypt Museum

Mit der Eröffnung des Grand Egyptian Museum (GEM) in Gizeh am 1. November 2025 fällt nun das Argument weg, das europäische Staaten gerne benutzen, wenn es um Gesuche aus Ägypten geht, wichtige ägyptische Kunstwerke nach Ägypten zurückzubringen, nämlich dass Ägypten diese Kunstwerke nicht sicher und adäquat unterbringen und ausstellen könne. Doch dies einmal beiseite: Wie sieht es denn tatsächlich mit der viel gepriesenen Museumssicherheit in Europa aus? Tatsächlich wären da nicht nur die verheerenden Schäden durch zwei Weltkriege, besonders in Berlin, zu nennen, sondern auch zahlreiche Museumsdiebstähle:

  • in Paris im Louvre 1911: die "Mona Lisa". Ihr Diebstahl wurde erst einen Tag später bemerkt; sie war 2 Jahre verschwunden – geschätzter (heutiger) Wert 764 Millionen Euro
  • in Hamburg in der Hamburger Kunsthalle 2002: eine Bronzeskulptur von Alberto Giacometti; sie ist bis heute verschwunden – geschätzter Wert 500.000 Euro
  • in Oslo im Munch Museum 2004: "Der Schrei" und "Madonna"; sie waren zwei Jahre verschwunden – geschätzter Wert 90 Millionen Euro
  • in London im British Museum ca. 2009 bis 2023: ein Insiderjob – das Museum war bereits 2020 von einem Kunsthändler gewarnt worden. Wenigstens 1.800 zumeist unregistrierte Objekte wurden aus den Lagerräumen gestohlen – wahrscheinlich von einem seit 1993 im Museum beschäftigten Kurator – und zumeist auf eBay völlig unter Wert verkauft (ein römisches Kunstwerk im Wert von 50.000  £ war auf eBay für 5  £ gelistet). 654 Objekte konnten wiederbeschafft werden. Für die Auffindung des Rests soll 2026 ein Schatzjäger engagiert werden – geschätzter Wert unbezifferbar, aber immens
  • in Paris im Musée d'Art Moderne 2010: fünf kostbare Meisterwerke, von Picasso, Matisse, Modigliani, Braque und Lèger; sie sind bis heute verschwunden – geschätzter Wert zwischen 100 und 500 Millionen Euro
  • in Rotterdam in der Kunsthalle 2012: sieben Gemälde, u.a. von Picasso, Monet und Matisse. Als die Polizei den Tätern auf die Spur kam, verbrannte die Mutter von einem der Diebe die Bilder, um Spuren zu verwischen – geschätzter Wert 100 Millionen Euro
  • in Berlin im Bode-Museum 2017: eine 100 kg schwere Goldmünze; sie ist bis heute verschwunden und vermutlich längst eingeschmolzen – geschätzter Wert 3,75 Mio. Euro
  • in Karlsruhe im Badischen Landesmuseum 2017: ein Diadem mit 367 Brillanten auf einem Rahmen aus Gold und Platin; es ist bis heute verschwunden – geschätzter Wert 1,2 Millionen Euro
  • in Dresden im Grünen Gewölbe 2019: 21 historische Schmuckstücke; sie sind zum Teil bis heute verschwunden – geschätzter Wert 113 Millionen Euro
  • in Laren im Museum Singer Laren 2020: van Goghs Gemälde "Frühlingsgarten. Der Pfarrgarten von Nuenen"; es war bis 2023 verschwunden – geschätzter Wert bis zu sechs Millionen Euro
  • in Paris im Louvre 2025: Acht historische Stücke, die Teil der französischen Kronjuwelen sind, wurden am Vormittag des 19. Oktober in einer Aktion, die weniger als sieben Minuten dauerte, gestohlen. Die als Arbeiter getarnten Täter kamen ins Gebäude durch ein eingeschlagenes Fenster. Der Raub offenbarte gravierende Sicherheitsmängel im Louvre und löste eine Debatte über Museumssicherheit weltweit aus. Die Schmuckstücke sind bis heute verschwunden – geschätzter Wert 88 Millionen Euro

Die Liste der Diebstähle ließe sich beliebig fortsetzen – sie sind Munition für alle Länder, die Restitutionsgesuche an die großen Museen stellen, darunter auch Griechenland (die Elgin Marbles / Parthenon-Skulpturen) und Italien (antike geraubte Vasen und Statuen). Zu den Diebstählen kommen noch mutwillige Beschädigungen durch Klimaaktivisten, Vandalen und sogar Kinder (in Rotterdam 2025: Kratzer auf einem Rothko-Gemälde im Wert von 500 Millionen Euro), Schäden durch Touristenunfälle bei Selfie-Versuchen (im Palazzo Maffei in Verona 2025: der "Van-Gogh-Stuhl" des Künstlers Nicola Bolla), Brände (Notre Dame in Paris 2019 sowie nahezu die gesamte ägyptische Sammlung des Nationalmuseums Rio de Janeiro 2018) und Wasserschäden (im Louvre 400 seltene Schriften der Ägyptologie-Bibliothek 2025).

2018 verbrannte fast die gesamte ägyptische Sammlung des Nationalmuseums Rio de Janeiro
2018 verbrannte fast die gesamte ägyptische Sammlung des Nationalmuseums Rio de Janeiro, Ursache: eine Überhitzung der Klimaanlage verursacht durch einen Kurzschluss, Foto: Reuters

Ägypten will natürlich nicht alle ägyptischen Artefakte aus nicht-ägyptischen Museen zurück, sondern nur die, die identitätsstiftend sind. Bei diesen Kunstwerken handelt es sich nicht nur, aber insbesondere um den Stein von Rosetta im British Museum, den Dendera-Tierkreis im Louvre und natürlich die Nofretete-Büste im Neuen Museum in Berlin. Ägypten war diplomatisch genug, während der Eröffnung des Grand Egyptian Museum nicht auf die Rückgabe dieser Kunstwerke zu drängen, doch schon kurz danach wurden zahlreiche Stimmen laut – aus archäologischen Kreisen wie auch aus der Bevölkerung.

Rückgabeforderungen für den Stein von Rosetta, den Tierkreis von Dendera und die Nofretete-BüsteRückgabeforderungen für den Stein von Rosetta, den Tierkreis von Dendera und die Nofretete-BüsteRückgabeforderungen für den Stein von Rosetta, den Tierkreis von Dendera und die Nofretete-Büste
Rückgabeforderungen für den Stein von Rosetta, den Tierkreis von Dendera und die Nofretete-Büste, Fotos: Scoop Empire

Der allseits bekannte ägyptische Ägyptologe Zahi Hawass fordert die Büste seit 2005 von Deutschland zurück. Er habe langsam genug von deutschen Ausreden, sagte er Ende Oktober 2025 in einem Interview mit dem Spiegel, Immer wieder hieße es von deutscher Seite, Nofretete sei eine Botschafterin für ägyptische Kunst. "Botschafter kehren irgendwann nach Hause zurück." Und: "Dieser Borchardt hat bei der Fundteilung betrogen. Die Europäer sind die größten Diebe der Welt."

Die französische Kunsthistorikerin Bénédicte Savoy, Professorin für Kunstgeschichte der Moderne an der Technischen Universität Berlin und Autorin des Buches "Nofretete: Eine deutsch-französische Affäre 1912-1931" sagte 2022 in einer ARTE-Doku: "Wenn sich die Frage stellt, ob die Büste der Nofretete zurückgegeben werden sollte oder nicht, wäre meine Antwort: Wir müssen die Restitutionsgesuche ernst nehmen. Und wir müssen lernen zuzuhören. Das sind keine politischen Forderungen. Wir müssen sie als ein kulturelles Bedürfnis, ein kulturelles Verlangen sehen. Diese Forderungen ernst zu nehmen, wäre schon mal ein Anfang. Wenn wir über kulturelles Erbe sprechen, gibt es keine einfachen Antworten. Bisher missachteten die Besitzer der Stücke Rückgabeforderungen zumeist. Deshalb brauchen wir eine neue Ethik in unseren Beziehungen."

Riesige Nofretete-Büste am Ortseingang von Minya (bei Amarna) mit der Kunsthistorikerin Bénédicte Savoy
Zur Erinnerung: Riesige Nofretete-Büste am Ortseingang von Minya (bei Amarna) mit der Kunsthistorikerin Bénédicte Savoy, Foto: ARTE

Die ägyptische Ägyptologin Monica Hanna stammt selbst aus Amarna. Sie konstatiert: "Ich kann über diese Idee [Nofretete sei eine Botschafterin] nur lachen. Ein Botschafter steht für diplomatischen Austausch. Wir haben Nofretete geschickt, aber haben wir die Krone von Friedrich dem Großen bekommen oder ein Gemälde von Dürer? Nein. Wenn man einen Botschafter nur in eine Richtung schickt, ist er eine Geisel." Hanna plädiert dafür, die Nofretete-Büste – nach ihrer Rückgabe – nicht etwa im GEM, sondern im Echnaton-Museum in Minya auszustellen (Amarna liegt in der Nähe von Minya). Das Museum wird allein Echnaton, Nofretete und der Amarna-Zeit gewidmet sein. An seiner Fertigstellung, es ist das drittgrößte Museumsprojekt in Ägypten, sind seit Jahren die Ägyptischen Museen in Hildesheim und Berlin beteiligt. Den Ortseingang ziert eine riesige Kopie der Nofretete-Büste.

Echnaton-Museum in Minya
Echnaton-Museum in Minya

Ende 2025 erneuerte Hawass sein Versprechen, die zeitlose einäugige Schönheit zurückzubringen. Er hatte bereits 2024 auf Change.org eine Petition lanciert, die zu unterschreiben auch die durchschnittlich 17.000 Besucher pro Tag im GEM aufgefordert werden. Zudem läuft zur Zeit in Ägypten eine weitere Petition, die den ägyptischen Premierminister auffordert, eine offizielle Rückgabe der Büste von Deutschland zu verlangen. Da ab 15. November 2025 der frühere ägyptische Altertümer- und Tourismus-Minister Khaled El-Anany für 4 Jahre den Direktorposten der UNESCO innehat, stehen die Chancen gut, dass sich auch die UNESCO um Ägyptens Anliegen kümmert.

Wenn auch Sie der Meinung sind, dass die Nofretete-Büste nach Ägypten gehört, können Sie die Petition hier unterschreiben.

Nofretete-Petition
Nofretete-Petition, Unterschriftenzahl Stand 9. Februar 2026



Nicht nur ein Epilog – auch ein Ausdruck von Hoffnung

Nofretete blickt uns an – still, würdevoll, voller Erinnerung. In ihrem Gesicht liegt nicht nur die Schönheit einer vergangenen Epoche, sondern auch die Hoffnung auf Heimkehr, die Frage nach Herkunft, nach Zugehörigkeit, nach dem Recht, Geschichte zu besitzen. Ihre Schönheit ist zeitlos, aber ihre Geschichte ist verletzlich. Sie erzählt von Bewunderung und Verlust, von Faszination und Entwurzelung.

Vielleicht wird eines Tages ihr Blick wieder dort ruhen, wo er einst geschaffen wurde, unter dem Licht Ägyptens, eingebettet in die Geschichte ihres Volkes. Dann würde Nofretete nicht nur als Ikone der Schönheit verstanden, sondern als Symbol einer neuen Haltung: einer Welt, die bereit ist zuzuhören, Verantwortung zu übernehmen und Vergangenes mit Würde zu versöhnen.

Die Büste der Nofretete, © Ägyptisches Museum und Papyrussammlung Berlin / Sandra Steiß
Die Büste der Nofretete, © Ägyptisches Museum und Papyrussammlung Berlin / Sandra Steiß

Nofretete ist nicht nur ein Kunstwerk aus Stein und Farbe. Sie ist Erinnerung, Identität und Stimme eines Landes, dessen Vergangenheit zu oft ohne sein Einverständnis fortgetragen wurde. Zwischen den Museumswänden der Gegenwart und dem Sand Ägyptens spannt sich ein unsichtbares Band aus Sehnsucht, Stolz und Schmerz. Und doch lebt in ihr die leise Zuversicht, dass Gerechtigkeit nicht an Grenzen endet und dass kulturelles Erbe seinen Weg zurückfinden kann. Eine Rückkehr wäre mehr als eine politische Entscheidung – sie wäre ein Zeichen des Respekts, der Heilung und des Dialogs zwischen Kulturen.

Bis es soweit ist, lasst uns das folgende Video genießen, das Nofretetes Rückkehr vorwegnimmt. Es stammt von Hashem Al-Ghaili, einem in den USA lebenden jemenitischen Wissenschaftsvermittler, der seinen Master-Abschluss in Molekularbiologie 2015 in Deutschland machte. Hashem kreierte das Video mittels KI-Software. Mögen es seine 45 Millionen Follower, davon 34 Millionen auf Facebook, sehen – und die Petition unterschreiben!

Hashem Al-Ghaili: Nefertiti Returns Home, 2025
Hashem Al-Ghaili: Nefertiti Returns Home, 2025. Bild: Nano Banana Pro, Veo 3.1, Kling AI, Musik & Sprache: Suno AI



Haupt-Quellen

Ludwig Borchardt: Ausgrabungen in Tell el-Amarna 1912/13, (Mitteilungen der Deutschen Orient-Gesellschaft zu Berlin, Nr. 52, Oktober 1913)

Ludwig Borchardt: Porträts der Königin Nofret-ete aus den Grabungen 1912/13 in Tell el-Amarna, Leipzig 1923 (Wissenschaftliche Veröffentlichungen der Deutschen Orient-Gesellschaft ; 44)

Walter I. Farmer: The Safekeepers – A Memoir of the Arts at the End of World War II, Berlin 2000 (Cultural Property Studies / Schriften zum Kulturgüterschutz)

[Anzeige] Im Licht von Amarna: 100 Jahre Fund der Nofretete, Katalog zur Ausstellung vom 07.12.12 - 13.04.13, Staatliche Museen zu Berlin, Ägyptisches Museum und Papyrussammlung, 2012

Rolf Krauss: 1913 - 1988: 75 Jahre Büste der NofretEte/Nefret-iti in Berlin
1. Teil, in: Jahrbuch Preußischer Kulturbesitz 24 (1987) 87-124;
2. Teil, in: Jahrbuch Preußischer Kulturbesitz 28 (1991) 123-157

Rolf Krauss: The fake Amarna stele Cairo JE 44865 as counterpart of the bust of Nefertiti at the division of finds, in: Fraud, theft, & social psychiatry as Egyptological topics, academia.edu, Upload 2025

Rolf Krauss: 'Une imposture de l’égyptologie’: Henri Stierlins Thesen zur Berliner Nofretete-Büste. Überarbeitete und erweiterte Fassung, academia.edu Upload 2025

Rolf Krauss: Zu Henri Stierlins Thesen über die Berliner Nofretete-Büste, in: Göttinger Miszellen, 257 (2019) 195-206

Markus Mode: Nofretete – Ein Nachspiel zu den Ausgrabungen der Deutschen Orient-Gesellschaft in Tell El-Amarna, in: Hallesche Beiträge zur Orientwissenschaft 6 (1984) 37-45

Friederike Seyfried: Die Büste der Nofretete – Dokumentation des Fundes und der Fundteilung 1912/1913, in: Jahrbuch Preußischer Kulturbesitz, 46 (2010) 133-202

Susanne Voss: Archäologie und Politik am Nil – Nofretete und das Kaiserlich Deutsche Institut für ägyptische Altertumskunde in Kairo, in: Antike Welt 6 (2012) 17-22

Susanne Voss & Thomas L. Gertzen: Germans at El Amarna, 1911-1914, in: KMT, 24.1 (2013) 36-48

Susanne Voss: Ludwig Borchardt (1863-1938) – Ägyptologe, Bauforscher, Patriot, in: Grenzgänger – Jüdische Wissenschaftler, Träumer und Abenteurer zwischen Orient und Okzident, Leipzig 2020, 104-115

Susanne Voss & Cornelius von Pilgrim: Ludwig Borchardt und die deutschen Interessen am Nil, in: Das Große Spiel. Archäologie und Politik zur Zeit des Kolonialismus (1860-1940), Köln 2010, 295-305

Susanne Voss: Die Rückgabeforderung der Nofretete-Büste im Jahre 1925 aus deutscher Sicht, in: Im Licht von Amarna, Katalog zur Ausstellung, Berlin 2012, 460-468

Susanne Voss: Welche Farbe hat Nofretete? Die ‚bunte Königin‘ im postkolonialen Narrativ, in: Orientalistische Literaturzeitung, 119.4-5 (2024) 201–213

Nofretete-Büste: Foto via Tagesspiegel, 24.01.2011
Nofretete-Büste: Foto via Tagesspiegel, 24.01.2011

Weitere Quellen (Auswahl)

Abgeordnetenhaus Berlin: Kleine Anfrage von Evrim Baba: Koloniale Raubkunst, Drucksache 16/10754 vom 9. Mai 2007

Abgeordnetenhaus Berlin: Kleine Anfrage der Abgeordneten Evrim Baba: Nofretete geht auf Reisen, Drucksache 16/11128 vom 16. August 2007

Dieter Bartetzko: Bénédicte Savoy – Nofretete: Als eminente Gelehrte mit bestürzender Schärfe ihren Hass zeigten, Frankfurter Allgemeine 23.11.2011

Lauren Bearden: Repatriating the Bust of Nefertiti: A Critical Perspective on Cultural Ownership, in: The Kennesaw Journal of Undergraduate Research, vol. 2 issue 1 (2012) 1-16

Greg Bradsher: The Monuments Men and the Recovery of the Art in the Merkers Salt Mine April 1945, US National Archives, Blog of the Textual Records Division 27.01.14

Claudia Breger: The ‘Berlin’ Nefertiti Bust – Imperial Fantasies, in: The Body of the Queen: Gender and And Rule in the Courtly World from the 15th to the 20th Century, Oxford 2006, 281-305

Sebastian Conrad: [Anzeige] Die Königin – Nofretetes globale Karriere, Berlin 2024

Juliette Desplat: The Nefertiti affair, the history of a repatriation debate, The National Archives, 16.09.16

Martina Dlugaiczyk: Serien-Star Nofretete. Neue Quellen zur 3D-Rezeption der Büste vor der Amarna-Ausstellung von 1924, in: Casting. Ein analoger Weg ins Zeitalter der Digitalisierung. Ein Symposium zur Gipsformerei der Staatlichen Museen Berlin, 2016, 163-173

Martina Dlugaiczyk: Thutmosis vs. Tina Haim-Wentscher (Tina Haim) – das Modell der Nofretete als Modell, in: Das materielle Modell. Objektgeschichten aus der wissenschaftlichen Praxis (Reihe Kulturtechniken), Paderborn 2014, 201-207

Nevine El-Aref: 100-year battle for the iconic Egytian bust of Nefertiti, Ahram Online 01.09.12

Ahmed Elgamal: Sollte Berlin die Büste der Nofretete an Ägypten zurückgeben?, Berliner Zeitung 19. März 2023, Update 14. August 2023

Wafaa El-Seddiq: Nefertiti's bust, time to come home?, Ahram Weekly Online 19.04.2012

Klaus Finneiser: Die Ausgrabungskampagnen in Tell el-Amarna, in: Im Licht von Amarna, Katalog zur Ausstellung, Berlin 2012, 438-444

Bruno S. Frey: Fairer Vorschlag für Berlin und Ägypten – Rückgabe der Nofretete? Lösungsidee für Berlin und Ägypten, NZZ 04.12.25

Christian Goedicke & RoIf Krauss: Der Denkstein Berlin ÄGM 15699 – eine Ägyptologen-Fälschung, in: Jahrbuch Preussischer Kulturbesitz, 35 (1998) 203-220

Monica Hanna: Repatriating Cultural Identity, The Egyptian Discontinuity Pretext, Edition Museum 2022, 87-101

Monica Hanna: Women are from Africa and men are from Europe, in: The Routledge Companion to Black Women's Cultural Histories, 2021, 13-22

Hieroglyphen um Nofretete: Ausstellung im Kulturforum Berlin, DeutschlandRadio, 01.03.2005

Bettany Hughes: 10 Reasons Why the Bust of Nefertiti Should Be Returned To Egypt, Heritage Key, 29.10.09

Bettany Hughes: 10 Reasons Why the Bust of Nefertiti Should Stay in the Neues Museum, Heritage Key, 17.10.09

Alexander Huppertz, Dietrich Wildung u.a.: Nondestructive Insights into Composition of the Sculpture of Egyptian Queen Nefertiti with CT, in: Radiology, vol. 251 no. 1 (2009), 233-240

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Dunja Ramadan: "Ihr hattet Nofretete lange genug", Spiegel+ 29.10.25

Bénédicte Savoy: [Anzeige] Nofretete: Eine deutsch-französische Affäre 1912-1931, Köln 2011

Rainer Berthold Schossig: Wiesbadener Manifest vor 70 Jahren – US-Offiziere schützen deutsche Kunstsammlungen, Deutschlandfunk 07.11.2015

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Matthias Schulz: Pupille im Speicher, Spiegel 20 (1997) 11.05.1997

Eva-Maria Schnurr im Gespräch mit Jürgen Zimmerer: Raubkunst-Debatte: "Die Nofretete gehört nach Ägypten", Spiegel Geschichte 2 (2020) 23.03.20

Christoph Seidler: Berlin's Nefertiti Debate: Calling the Queen's Authenticity into Question, Spiegel 21.05.2009

Jonathan Stock: Falsche Pharaonin, Der Spiegel 30 (2009) 19.07.2009

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Rihoko Ueno: Monuments Men Inside the Mines, Smithsonian Institution Archives of American Art 07.03.2014

Philipp Vandenberg: Nofretete, eine archäologische Biographie, München 1975

Cosmo Wenman: A German Museum Tried to Hide This Stunning 3D Scan of an Iconic Egyptian Artifact. Today You Can See It for the First Time, Reason 13.11.2019

Lucas Wiegelmann: Ägyptisches Museum – Noch eine Königinnen-Büste soll gefälscht sein, Welt online 22.07.2009

Maximilian Zech: Warum Nofretetes Rückgabe ein Dammbruch wäre, Cicero – Magazin für politische Kultur, 11.02.26

Henri Stierlin: Une imposture de l’égyptologie Im Licht von Amarna. Ausstellungskatalog Bénédicte Savoy: Nofretete: Eine deutsch-französische Affäre 1912-1931 Stefan Conrad: Die Königin

Wichtige Dokumentationen

Die Büste der Nofretete – Geburt einer Ikone (Geschichte schreiben mit Patrick Boucheron), Arte France, 2021

Das Geheimnis der Büste der Nofretete | The Mystery of Nefertiti's Bust, ohne weitere Angaben, 2023 auf YouTube hochgeladen

Nefertiti: The Lonely Queen, Stories from the World of Looted Ancient Art by Örn Marinó Arnarson and Thorkell Hardarson (A Documentary About Cultural Ownership Pt. 1: Conflicts and Resolution), 2019

Nofretete – Botschafterin oder Geisel? Dokumentation von Riki Bornhak, Deutsche Welle Kultur Intensiv, 2024

Die Nofretete – Wem gehört die Schönheit? Dokumentarfilm mit Bénédicte Savoy von Johannes Fellmann, Jochen von Grumbkow, Grit Lederer, Arte 2022 [Die ansonsten großartige Doku enthält einen Fehler: Die Pharaonenmumien wurden 2021 nicht ins Grand Egyptian Museum, sondern ins National Museum of Civilization gebracht.]

Die Odyssee der Nofretete: Original und Fälschung. ZDF Terra-X Dokumentation: Luise Wagner-Roos, 2007

The Other Nefertiti, Artist talk by Nora Al-Badri & Jan Nikolai Nelles at Aksioma | Project Space. Ljubljana, 4 June 2017

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